Logbuch


Hoher Besuch

Besuch bei Oberharmerbachs Orgelbauer Winterhalter (von links): Intonateur Alois Schwingshandl erklärte dem Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Marwein und Staatssekretärin Petra Olschowski die Mensur der Pfeifen (von links). Firmenchef Claudius Winterhalter und Bürgermeister Richard Weith folgten den Ausführungen. ©Lehmann-Archiv

Ein Fernsehbericht über die Oberharmersbacher Orgelbauwerkstatt Winterhalter weckte die Aufmerksamkeit der Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Petra Olschowski. Zusammen mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Marwein stattete sie dem Betrieb einen Besuch ab.

Die Orgelbauwerkstatt wurde 1955 von Franz Winterhalter gegründet. Aus bescheidenen Anfängen heraus wuchs ein Betrieb, dem ein hervorragender Ruf vorauseilt. Sein ältester Sohn Claudius übernahm 1985 die Werkstatt, die inzwischen zu den renommiertesten Orgelbaubetrieben in Deutschland gehört. Mehr als einmal ließ er mit seinen unkonventionellen und gewagten, aber immer auch überzeugenden Lösungsansätzen die Fachwelt aufhorchen.
Zu seinen mehr als 70 Orgeln – jede ein Kunstwerk für sich – zählt unter anderem die gelungene Erneuerung der Orgel in der berühmten Wieskirche im Allgäu, die symphonischen Konstanzer Konzilsorgel und die jüngst fertig gestellte »Doppel-Orgel« in Gelnhausen.

»Schnapsidee« ein Erfolg

Mit der 17 Tonnen schweren, auf Luftkissen fahrbaren Orgel-Skulptur in der Alpirsbacher Klosterkirche hat er mit seiner Mannschaft ein weltweit einmaliges Meisterstück (2008) fertiggestellt. »Gerade bei dieser Orgel spürten wir viel Gegenwind«, erinnert Claudius Winterhalter an die Genehmigungsphase des spektakulären Instruments, das manche für eine »Schnapsidee« hielten. Nach Information der »Staatlichen Schlösser und Gärten« hat sich der Besucherstrom seit 2008 mehr als verdoppelt.
Der Rundgang durch die Werkstatt zeigte den Besuchern aus Stuttgart, welche Komplexität die »Königin der Instrumente« von der ersten Idee bis zum Einspielen im Kirchenraum einnimmt. Bis zu 80 000 Teile müssen hergestellt werden und perfekt zusammenpassen.

Die Materialien umfassen eine ganze Bandbreite: Aus mindestens fünf verschiedenen einheimischen Hölzern entstehen Gehäuse, Windladen, Pfeifen und feinste Trakturteile, dazu unterschiedlich legierte Zinnpfeifen und diverse Metalle wie Messing, Edelstähle und schwarz geschmiedetes Eisen, Leder vom Hirsch, Elch und Schaf. »Dann kommt es darauf an, mit hochmotivierten Mitarbeitern ein Topergebnis zu erzielen«, lobt Winterhalter seine Mannschaft.
Nicht nur die Komponenten der Orgel, auch die Menschen in der Werkstatt müssten harmonieren. Jeder habe seinen Schwerpunkt. Und es sei nicht einfach, in jüngster Zeit geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Man beobachte einen latenten Mangel an Begabung und Veranlagung für die vielschichtige Ausbildung: »Wir haben aktuell wieder eine Auszubildende, die zu uns passt«, gibt er sich zuversichtlich.

Viele technische Finessen

Einige fertiggestellte Blasbälge in der Montagehalle führen zu einem der wichtigsten Bestandteile der Winterhalter-Instrumente. Es geht trotz vieler technischer Finessen vor allem um den Klang. »Orgeln sind große Blasinstrumente die ihren speziellen Sound auch von der Lebendigkeit und Atmungsqualität der Windanlage beziehen«, erklärt er das speziell entwickelte Windsystem. Dieser klangliche »Wind-erkennungseffekt“ gehöre zur Handschrift der Winterhalter-Orgeln, die zusammen mit den zeitgenössischen Prospekt-Entwürfen eine gewisse Unverwechselbarkeit schaffe.

Bis zu 40 Parameter hat eine Orgelpfeife, unterschiedliche Größen von mehreren Metern Länge bis gerade einmal vier Millimeter. Aufmerksam verfolgten Petra Olschowski und Thomas Marwein die Arbeit des Intonateurs Alois Schwingshandl. Ein außergewöhnliches Gehör und geschickte Hände sind gefragt, um den Pfeifen den richtigen Ton zu entlocken. Bruchteile von Millimeter entscheiden darüber.

Seine Arbeit kommt zur vollen Entfaltung, wenn die Orgel schließlich im Kirchenraum aufgebaut ist und er den spezifischen Klangcharakter der Orgel mit der Akustik des Raumes zu einem harmonischen Ganzen verbindet. »Und dann fasziniert jede Orgel aufs Neue«, zeigt er sich Winterhalter nach über 40 Berufsjahren noch immer begeistert. »Wir erleben einen Wandel«, gibt Claudius Winterhalter mit Blick auf zurückgehende Kirchenbesucher zu bedenken. Der Beruf des Orgelbauers werde sicher nicht museal, aber der Wettbewerb in Deutschland härter. Und er flachst: »Ich hoffe immer noch, dass der Islam sich jetzt mal mit den Thema Orgel beschäftigt.« Zum Abschied verabredete sich Claudius Winterhalter mit seinen beeindruckten Gästen zum großen Jubiläums-Konzert mit Chor und Streichorchester am 2. Dezember in Alpirsbach.

Quellenangaben
Autor: Karl-August Lehmann | 29. Juli 2018 | Baden Online

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SWR Kunscht! Orgeln für die Zukunft

Orgeln für die Zukunft
4:33 min | 12.1. | 3.15 Uhr | SWR Fernsehen

Der Schwarzwälder Orgelbauer Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach verbindet Tradition mit Moderne!

SWR | ARD | Youtube

Preisgekrönt

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Für die Gesamtgestaltung der Konstanzer Konzilsorgel hat uns das Kuratorium des Vereins Austellungshaus für christliche Kunst e.V. München, den großen Förderpreis verliehen. Damit wurde die künstlerisch- architektonische Gestaltung gewürdigt. Die mit dem Preis verbundene Fördersumme in Höhe von 20.000 Euro erhielt der Auftraggeber. Wir freuen uns und bedanken uns herzlich.

Leistungsnachweis!

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Für alle die schon lange mal wissen wollten was der Chef so treibt, wenn er morgens wegfährt, hier eine nette Dokumentation dazu.

Kurz vor „Zuhause“ habe ich durchs Lenkrad mal den Tagesrapport auf dem geeichten Auto-Tacho fotografiert.

Obwohl ich an diesem Mittwoch zwei Ortstermine hatte, war ich im Laufe des Tages also 9 Stunden und 41 Minuten „auf Achse“. Dabei habe ich 1004 Kilometer zurückgelegt in der erstaunlichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 104 km/h! Ich hatte an diesem Tag im Raum München und Nürnberg zu tun. Die dafür vom Schwarzwald aus infrage kommenden Autobahnen gelten als echte Horrorstrecken…aber was tut man nicht alles, um den „Laden“ in Lohn und Brot zu halten… 😉

Farbkommitee

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Wenn es um Fragen der Farbgebung an neuen Orgeln geht, werden nicht selten Kunstkomissionen und Bauämter bemüht… Ganz unkompliziert lief das in Schnufenhofen. Auf meine Ankündigung, mit dem Kirchenmaler über die Farbe der neuen Orgel reden zu wollen, kam spontan ein bunt gemischtes „Farbkomitee“* zusammen. Jede farbliche Vorliebe wurde berücksichtigt – mit bestem Ergebnis 😉

* v.l.n.r.
Josef (Türkis)
Monika (Dunkelblau)
Birgit (Pink)
Simone (Lila)
Eva (Weiss)
Josef (Grau)
„Chef“ (Grün)
Andreas (geringelt)
Sebastian (Rot)
Peter (gestreift)
Nikolaus (Orange)
Michael (Hellblau)
„Jacky“ (Schwarz)

Bewegend

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Zur Restfinanzierung der bewegbaren Alpirsbacher Orgelskulptur, habe ich mit einem Info-Flyer bei namenhaften Firmen und Persönlichkeiten um Unterstützung geworben.

Hintergrund: 
Durch „denkmalrechtlich geschützte Unebenheiten“ des weitgehend aus den 1960-er Jahren stammenden Kirchenbodens, ist den Verantwortlichen die ursprünglich geplante, freie Verfahrbarkeit der Orgel zu risikoreich und in der Anschaffung zu teuer. Zur Überwindung der auch nach einer „fachlichen“ Überarbeitung noch immer problematischen Bodensituation, wird jetzt eine technisch besonders sichere (dafür etwas umständliche) Luftkissenanlage realisiert. Mit Hilfe einer Führungsschiene kann die daran angedockte Orgelskulptur an verschiedenen Positionen, als Begleit- oder Soloinstrument, eingesetzt werden. In meiner Eigenschaft als alleinverantwortlicher Generalunternehmer habe ich das Nürnberger Luftkissen-Unternehmen DELUmit der Herstellung einer geeigneten Lösung beaufragt.

Eine erste „Probefahrt“ vor Ort im Spätsommer 08 mit der komplett montierten Stahl-Unterkonstruktion (wiegt ca. 2.5 Tonnen) funktionierte ganz prima. Danach konnte die gesamte Orgelanlage in der Kirche montiert werden.

Aktuell: 
Inzwischen haben wir mehrere Verfahrung erfolgreich durchgeführt. Nach anfänglichen „Hakeleien“ beim auslegen der Fahrbahnfolie ging dann alles noch besser als erwartet über die Bühne. „Unser“ SWR-Fernsehteam hat alle Schritte mit der Kamera aufgezeichnet. Zahlreiche Schaulustige haben gestaunt und uns beglückwünscht. Es gab Szenenapplaus. Nicht nur für uns war es ein bewegender Moment, als die Orgelskulptur nahezu geräuschlos in der Vierung auftauchte, sich um 90° drehte und an einem völlig anderen Standort ihre optische und klangliche Wirkung neu entfaltete. Der Raum und die Orgel als noch nie gesehene Einheit im Spannungsfeld von historischer Umgebung und aktueller Form. Begriffe wie „Unglaublich“! – „Phantastisch“! – „Des isch’n Hammer“! machten die Runde…..Für mich und alle die an diese Lösung geglaubt haben, war es ein wunderbarer Moment der Bestätigung und der Erleichterung. Und es fällt dann auch leicht darüber hinweg zu sehen, wenn bisherige Skeptiker sich auf einmal als „alte Befürworter“ feiern lassen. Wie’s halt so ist: Der Erfolg hat viele Väter…

Klanglich wird das Instrument in der Zentralposition erwartungsgemäß milder und sphärischer. In der Vierung fehlen eben die Reflexionswände des südlichen Querhauses. Die Organisten müssen sich darauf einstellen. Wie heißt es in der Werbung so schön: Es kommt drauf an was man draus macht! Warten wir’s ab.

Zur Vervollständigung der Gestaltungs-Idee wurde von Anfang an die Frage einer möglichen Farb- oder Lichtfassung diskutiert. Nach anfangs kontroversen Diskussionen (wie könnte es auch anders sein…) gab es jetzt von den zuständigen Behörden „grünes Licht“ für einen von mir vorgeschlagenen „Weißlicht“ Effekt an der neuen Orgel. Es ist vorgesehen, die Skulptur durch 8 schmale Lichtbänder an den Schattenfugen der vier Stelenwand-Vertiefungen rundum vertikal zu gliedern. Dadurch wird der ursprüngliche Gedanke einer geheimnisvollen (Tages)-Lichtquelle im Innern der Klangskulptur, mit dem Anspruch eines kontemporären Kunstwerks, sinngebend verbunden. Leider konnte bisher nur die vordere Steele und das Dach ausgeleuchtet werden. „Bedenkenträger“ innerhalb der Kirchengemeinde verhindern bisher eine Rundum-Ausleuchtung obwohl es dafür Sponsoren gibt. Hier darf man noch auf die künstlerische Vollendung durch Einsicht und „Erleuchtung“ hoffen.

Durch Unterbrechungen während der Intonation dauert die Fertigstellung etwas länger als geplant. Bis Weihnachten 2008 wird die Orgelskulptur klingen, leuchten und fahren….

Das Konzert zur Orgelweihe am 1. Advent 08 mit Jürgen Essl war ein wunderbares Erlebnis für alle Orgelfreunde. Die Konzertbesucher konnten sich vor staunen kaum beruhigen beim Anblick des eindrucksvollen Instruments „mitten in der Kirche“. (Siehe Textbeitrag „Und Sie bewegt sich doch!“Interview mit Markus Zimmermann in der Festschrift zur Orgelweihe)

Hommage für Orgel und Orgelbauer

komposition

Grafenrheinfeld / Claudius Winterhalter
Drei Kompositionen von Wolfgang Lindner.

Noten
ERES-Edition Lilientahl/Bremen, No. 2811

Wolfgang Lindner (* 1956) ist Kirchenmusiker in Everswinkel (b. Münster), Komponist, Herausgeber und Autor zahlreicher Veröffentlichungen sowie wissenschaftlicher Vorträge über historische Orgeln. Seine Kompositionen, schwerpunktmäßig für Chor oder Orgel, sind u.a. in den USA, Kanada und England erschienen.

CD Orgel Grafenrheinfeld, 2001
Invocations W. Lindner
Wolfgang Baumgratz

Hörprobe
Prelude (MP3 / 3.18mb)

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