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	<title>Claudius Winterhalter Orgelbau</title>
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		<title>Die Orgel Marienkirche Bad Segeberg</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/die-orgel-marienkirche-bad-segeberg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jun 2025 05:04:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bad Segeberg - Marienkirche]]></category>
		<category><![CDATA[Instrumente]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-11424"></span></p>
<div class="“wide-content“"><div class="soliloquy-feed-output"><img decoding="async" class="soliloquy-feed-image" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2025/07/Marienkirche-Bad-Segeberg-01.jpg" title="Marienkirche-Bad-Segeberg-01" alt="Marienkirche-Bad-Segeberg-01" /></div></div>
<div class="“wide-content“">
<div class="three-columns-one">
<p class="intro">Disposition</p>
<table>
<tbody>
<tr class="odd">
<td><strong>HAUPTWERK I</strong><br />
        Principal 16‘<br />
        Montre 8‘<br />
        Hohlflöte 8‘<br />
        Viola di Gamba 8‘<br />
        Gedeckt 8‘<br />
        Prestant 4‘<br />
        Rohrflöte 4‘<br />
        Nasard 2 2/3‘<br />
        Doublette 2‘<br />
        Terz 1 3/5‘<br />
        Mixtur major VI–VII mit Terz 2‘<br />
        Mixtur minor V 2‘<br />
        Trompette 8‘<br />
        Tremulant
      </td>
</tr>
<tr class="even">
<td><strong>POSITIV II</strong><br />
        Quintaton 16‘<br />
        Principal 8‘<br />
        Rohrflöte 8‘<br />
        Salicional 8‘<br />
        Octave 4‘<br />
        Spitzflöte 4‘<br />
        Quinte 2 2/3‘<br />
        Superoctave 2‘<br />
        Terz 1 3/5‘<br />
        Larigot 1 1/3‘<br />
        Plein-Jeu V–VI 1 1/3‘<br />
        Cimbel IV 1‘<br />
        Trompete 8‘<br />
        Cromorne 8‘<br />
        Tremulant
      </td>
</tr>
<tr class="odd">
<td><strong>SCHWELLWERK III</strong><br />
        Violon 16‘<br />
        Geigenprincipal 8‘<br />
        Viola 8‘<br />
        Vox coelestis 8‘<br />
        Doppelgedeckt 8‘<br />
        Fugara 4‘<br />
        Traversflöte 4‘<br />
        Quintflöte 2 2/3‘<br />
        Flageolet 2‘<br />
        Terzflöte 1 3/5‘<br />
        Fourniture IV–V 2 2/3‘<br />
        Basson 16‘<br />
        Trompette harm. 8‘<br />
        Basson-Hautbois 8‘<br />
        Tremulant
      </td>
</tr>
<tr class="even">
<td><strong>PEDAL</strong><br />
        Untersatz C–H akustisch 32‘<br />
        Principalbass Transm. HW 1. 16‘<br />
        Contrabass 16‘<br />
        Violoncello Ext. aus 2. 8‘<br />
        Subbass 16‘<br />
        Violonbass Transm. SW 1. 16‘<br />
        Octavbass Transm. HW 2. 8‘<br />
        Flötenbass Transm. HW 3. 8‘<br />
        Bassoctave Transm. HW 6. 4‘<br />
        Posaune 16‘<br />
        Trompete Ext. aus 5. 8‘
      </td>
</tr>
<tr class="odd">
<td><strong>SOLO</strong><br />
        Soloflöte 8‘<br />
        Horizontal, von allen Werken aus zu spielen
      </td>
</tr>
<tr class="even">
<td><strong>KOPPELN</strong><br />
        Mechanisch II–I II–P I–P<br />
        Elektrisch III–I III–II I–II<br />
        SUB III–III SUB III–II SUB III–I<br />
        SUB II–I SUB II–II SUPER III–III SUPER III–II SUPER III–I<br />
        SUPER II–II SUPER II–I III–P SUPER III–P SUPER II–P SUPER I–P<br />
        P–I P–II P–III<br />
        Frei wählbare Intervallkoppeln<br />
        Superoktavkoppeln S.W. bis a‘‘‘‘
      </td>
</tr>
<tr class="odd">
<td><strong>SOSTENUTO</strong><br />
        für Manual und Pedal
      </td>
</tr>
<tr class="even">
<td><strong>BUS-SYSTEM</strong><br />
        MIDI-IN/OUT
      </td>
</tr>
<tr class="odd">
<td><strong>ZIMBELSTERN</strong>
      </td>
</tr>
</tr>
<tr class="even">
<td><strong>CELESTA</strong><br />
        39 Töne, c° – d‘’’
      </td>
</tr>
<tr class="odd">
<td><strong>STIMMTONHÖHE</strong><br />
        a¹ = 440 Hz / 18°
      </td>
</tr>
<tr class="even">
<td><strong>TEMPERIERUNG</strong><br />
        Gottwald 3
      </td>
</tr>
<tr class="odd">
<td><strong>TONUMFANG</strong><br />
        Manual C–a‘‘‘<br />
        Pedal C–f‘
      </td>
</tr>
<tr class="even">
<td><strong>EINWEIHUNG</strong><br />
        18. Mai 2025
      </td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div> <div class="three-columns-two last">
<h2>Gottes Haus – Haus des Klangs</h2>
<p><span class="dropcap">W</span></p>
<p>ird einem organisch gewachsenen Ensemble etwas so Gewichtiges wie eine große Orgel hinzugefügt, ist höchste Sensibilität gefragt – so auch in der altehrwürdigen Marienkirche zu Bad Segeberg, deren Geschichte bis in die Romanik zurückreicht. Das Backstein-Rot der Pfeiler und Gewölbegurte, das Altrosa des Sandsteinbodens und die weißen Putzflächen bilden bereits einen wohltuenden Farb-Dreiklang des großzügigen, dennoch überschaubaren Innenraums. Aus dem 15. Jahrhundert datieren das Taufbecken, das Triumphkreuz und das prächtige Retabel. Zu diesen Prinzipalstücken darf eine Orgel im Westen keinesfalls einen Gegenpol eröffnen, allenfalls ein adäquates Echo sein. Als Einrichtungsgegenstand einer Kirche beeinflusst die bauliche Masse einer Orgel das Erscheinungsbild erheblich. Hier galt es nun, 50 Register – rund 3.300 Orgelpfeifen samt nötiger Technik – in einem Gehäuse zu vereinen, das eben kein sperriges „Möbel“ ist, sondern als edles Haus unendlicher Klangvielfalt wahrgenommen wird.</p>
<p>Die lichte Breite im Hauptschiff wird durch die Obergaden real und optisch stark begrenzt. Die Vorgängerinstrumente waren auf einer deutlich höher liegenden Empore eingezwängt, was bautechnisch, klimatisch und vor allem für die Klangabstrahlung hinderlich war. Deshalb wurde zunächst eine neue, dezente Stahlkonstruktion als Brückenempore weit unterhalb der Arkadenbögen konstruiert. Nun stand genug Höhe zur Verfügung, um nicht nur die langen Prospektpfeifen des Prinzipal 16‘ unterzubringen: Über dem Orgel-Corpus ist viel Raum für die Klangentfaltung. Vermieden wird der Eindruck, das Werk stoße an die Decke; vielmehr wirkt das Ensemble entspannt.</p>
<p><strong>Viel Musik – leichte Optik</strong><br />
Ein dreimanualiges Instrument mit üppigem Registerbestand erfordert auch eine gewisse Tiefe; hierfür wurde ein Teil der Turmhalle genutzt. So konnten sämtliche Teilwerke in Höhe des Kranzgesimses aufgestellt werden. Dies begünstigt die Klangverschmelzung; Verstimmungen durch Temperaturdifferenzen in verschiedenen Höhenlagen werden minimiert. Von vorne betrachtet verrät die neue Winterhalter-Orgel weder ihre Tiefe noch ihren fast quadratischen Grundriss. Das außen leicht zurückspringende Gehäuse reicht bis an die Hochwände des Mittelschiffs; Prospektpfeifen fungieren als abgerundete Eckpunkte: Es gibt keine unschöne Schrägansicht auf einen „Orgel-Kasten“. Unter der Orgelbrücke ist der Durchblick zur Turmhalle frei, deren feine Gewölbekonturen einen logischen architektonischen Kontext über dem Instrument bilden. So entsteht bei Tageslicht, aber auch im ausgeklügelten Beleuchtungskonzept der Ingenieure Bamberger &#038; Co. eine wohl dosierte Helligkeits-Aura, die wiederum Masse kompensiert. Dazu trägt ferner die Farbfassung des Orgelgehäuses bei: Der Künstler Frieder Haser hat mehrere gebürstete Farbschichten aufgetragen, so dass die Flächen den Ton des Wandputzes in lichten Grautönen mit ockerfarbenen Einsprengseln fortsetzen.</p>
<p>Die Detailplanung lag in den Händen des erfahrenen Konstrukteurs und Orgelbaumeisters Jo Scherg-Quitteck, der es einmal mehr verstand, klare Strukturen und praxistaugliche Zugänglichkeit im Orgelinnern ökonomisch zu verbinden. Mit optimalen Wegen für die mechanische Anspielung steht zentral das Positv und flankierend dazu (auf Sturz) das C-Cs Hauptwerk mit Pedaltransmission hinter dem Prospekt. Die sperrigen Klangkörper des Großpedals sind seitlich und an der inneren Rückseite verteilt. </p>
<p>Contrabass 16‘ bildet mit den der tiefen Oktave in C-Cs den Rückprospekt mit vertikalen LED-Lichtbändern und zusätzlichen Jalousien für das Schwellwerk. Somit ist auch die Rückansicht der Orgel klingend gestaltet, in schlichter Fassung aus den Farbtönen des Vordergehäuses. Zugleich wird der Turmraum als ergiebiger Resonanzraum genutzt. Außer dem starkwandigen Schwellkasten wurde auf Trennelemente verzichtet, um hemmende Absorptionen zu vermeiden, vielmehr die Verschmelzung aller Register zwischen den Teilwerken zu fördern. Die dezent atmende Windanlage besteht aus mehreren innfaltigen Bälgen, verbunden in einem Ringssystem.  </p>
<p><strong>Feine Asymmetrie durch B – A – C – H </strong><br />
Selten sind historische Räume oder Orgelprospekte exakt symmetrisch. Andererseits verträgt ein so austariertes Gebilde wie die Marienkirche keine zu starke Asymmetrie. Außerdem sollte das lagernde Rechteck des Altar-Retabels nicht zitiert, sondern leicht variiert werden. Um die Silhouette zu strecken, setzte Claudius Winterhalter bei der Prospektgestaltung mit den vier überragenden 16‘ Türmen zunächst deutliche, jedoch nicht zu dominante Akzente. Davor stehen fünf Pfeifengruppen in 8‘- und 4‘-Länge mit bewegten Labienverläufen. Beide Prospektreihen bilden zusammen eine deutliche Plastizität und geben dem Gesamtbild eine kraftvolle Dynamik. Die milde Asymmetrie des neunteiligen Pfeifenprospekts wird durch Schallsegel aus Goldglas wirkungsvoll überhöht. Wer möchte, kann in den Türmen sogar eine originelle Visualisierung des musikalischen Motivs B-A-C-H erkennen: Als tiefster Ton zeigt die zweite Pfeifensäule von links den Ton A aus dieser ehrwürdigen Signatur. </p>
<p>Wo zwischen den Mündungen der Prospektpfeifen und dem Gehäusedach häufig Schleierbretter angebracht werden, befinden sich hier schlichte, feingliedrige Webgitter aus Edelstahl in Anthrazit. Als weiteres Gestaltungsmoment im oberen Bereich gibt es eine überblasende Soloflöte, deren horizontale Linie den Kontrapunkt zum darüber gespannten Gewölbebogen bildet. Aus der Seitenperspektive und mit ihren reizvollen Schattenspielen erinnern diese buchstäblich hervorragenden Flöten an die einladende Geste einer ausgestreckten Hand mit ihren Fingern.</p>
<p><strong>Krönung der Königin</strong><br />
Die Königin der Instrumente in einer der Himmelskönigin gewidmeten Kirche verdient eine Krone. Selbstverständlich erglänzt sie in Gold – jedoch nicht in prahlerischem Hochglanz, sondern fein und zurückhaltend. Die über den Türmen angebrachten Glasplatten der Veredelungswerkstätte Teufel mit eingeschmolzenem Echtgold sind exakt so ausgerichtet, dass sie als akustische Segel wirken und die dezenten Lichtquellen am Orgelgehäuse milde reflektieren. Das Gold des Altars bleibt Zentrum der Kirche, findet aber in dieser besonderen Orgelzier sanften Widerhall, unterstützt vom Silberglanz der Pfeifenfront.</p>
<p><strong>Universell – nicht beliebig</strong><br />
Das ausgereifte Konzept einer Orgel dieses Zuschnitts ist die Summe von Ideen, Träumen und Absurditäten, auch wenn der ein oder andere Gedanke den unvermeidlichen Bau- und Finanzierungsvorgaben zum Opfer fällt. Dennoch ist dank gutem Zusammenwirken von Planern, Musikern und Orgelbauern eine </p>
<p class="intro"><ins>Essenz aus funktionaler Reife, großartigem Klang und überzeugendem Erscheinungsbild
</p class="intro"></ins> entstanden. Als Basis setzte Claudius Winterhalter hier auf sein für ähnlich große Instrumente bewährtes Prinzip: drei fast gleichwertig und üppig besetzte Manual-werke, fast Hauptwerke. Alle sind mit labialem 16‘ und ausgeprägtem Prinzipalchor ausgestattet. Überdies enthalten sie jeweils eine luxuriöse Grundstimmen-Palette in unterschiedlichsten Nuancen, dazu Cornette und Zungenregister – einschließlich je einer Trompete. Vermehrt werden die Einsatzmöglichkeiten, indem der Tonumfang bis a3 ausgebaut ist. Durch das solide 16‘-Fundament ergeben sich in allen Manualen durch Oktavierung aufwärts und mit den Sonderkoppeln neue, leuchtende Klänge. Diese enorme Vielfalt beruht auf der jeweils spezifischen Bauweise der einzelnen Pfeifenreihen, insbesondere der Flöten- und Streicherstimmen. Dass jedes Register seine besondere Charakteristik entfaltet und daher in jeglichen Ensembles verschiedenste Funktionen übernehmen kann, ist der ausdifferenzierten Intonation aus der kundigen Hand von Kilian Gottwald zu verdanken.</p>
<p>Wurde in den Manualen „geklotzt“, musste dagegen im Pedalwerk gemäß dem Vorbild französischer Kathedralorgeln auf raumgreifende Dopplungen verzichtet werden. Deshalb sind einige Tonlagen Verlängerungen der wenigen originären Pedalregister, andere werden dem Hauptwerk bzw. dem Schwellwerk entliehen. So wird ein schwellbares 16‘-Register im Pedal gewonnen, ferner stehen dort insgesamt vier labiale 16‘-Farben und drei in der 8‘-Lage zur Verfügung. Mit diesem per se reduktionistischen Pedalwerk lässt sich mühelos alles begleiten.</p>
<p>Auf das Wesentliche fokussiert und selbsterklärend ist auch der eingebaute Spieltisch. Eine ergonomisch ideale und zugleich anmutig geschwungene Reihe von Registertasten über den Manualklaviaturen sind in das sorgsam profilierte Spieltableau mit dunkler Klavierlack-Oberfläche eingebettet, blendfrei und dennoch kräftig ausgeleuchtet von geschickt integrierten LED-Elementen. Einem offenen Etui vergleichbar offenbart dieser inspirierende Arbeitsplatz den kostbaren Inhalt und ruft geradezu nach Kreativität. Elektronische Zusatzfunktionen und Displays sind in leicht erreichbaren Schubladen verborgen.</p>
<p><strong>Extras</strong><br />
Die Soloflöte ist mittels elektrisch angespielter Einzelton-Lade in allen Teilwerken registrierbar und behauptet sich dank ihrer exponierten Anordnung prächtig gegenüber so manchen Stimmen im mf-Bereich. Als aparte Percussion lässt sich die Celesta vorzüglich einsetzen und sorgt für elegante Akzente im Literaturspiel und in der Improvisation. Eine weitere Besonderheit liegt in der Verknüpfung zu den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg: Karl May war nicht nur ein phantasievoller Autor, sondern auch Organist und schätzte sein Lieblings-instrument nicht zuletzt als Therapeutikum für sich selbst. </p>
<p><strong>Mittelalterliche Kirche als Mischpult</strong><br />
Die einmalige Akustik transportiert und mischt sämtliche Frequenzen und dynamischen Stufen optimal. Auch die Balance von Transparenz und Schall-Laufzeit (Hall) ist so angenehm, dass polyphone Strukturen klar durchhörbar bleiben, akkordische Passagen ihre einhüllende Wirkung entfalten und experimentelle Kompositionen geheimnisvoll bleiben können.<br />
<em>Markus Zimmermann </em> </p>
</div></p>
<div class="divider"></div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">11424</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Bach Meets Electro</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/bach-meets-electro/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Sep 2024 08:12:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Logbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Vera Klaiber &#38; nandman BACH MEETS ELECTRO AUSBRECHEN. AUFBRECHEN. NEU DEFINIEREN. Am Anfang steht Johann Sebastian Bach. Puristisch und charakterlich opulent zugleich. Emotional aufwühlend kommt seine Musik daher. Durch klare Muster und scheinbar planbare Abläufe definiert, bricht Bach zielgenau und dem musikalischen Verlauf angepasst aus dem Konstrukt aus. Eine faszinierende Praktik, die zeitlos wirkt und dennoch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="11039" data-permalink="https://www.orgelbau-winterhalter.de/bach-meets-electro/bach-meets-electro-1/" data-orig-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1.png" data-orig-size="1200,800" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Bach-Meets-Electro-1" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1-300x200.png" data-large-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1-1024x683.png" tabindex="0" role="button" class="alignnone size-large wp-image-11039" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1-1024x683.png" alt="" width="840" height="560" srcset="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1-1024x683.png 1024w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1-300x200.png 300w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1-768x512.png 768w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1-840x560.png 840w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2024/09/Bach-Meets-Electro-1.png 1200w" sizes="(max-width: 840px) 100vw, 840px" /><br />
<strong>Vera Klaiber &amp; nandman</strong></p>
<p><strong>BACH MEETS ELECTRO</strong></p>
<h3 style="text-align: left;">AUSBRECHEN. AUFBRECHEN. NEU DEFINIEREN.</h3>
<p>Am Anfang steht Johann Sebastian Bach. Puristisch und charakterlich opulent zugleich. Emotional aufwühlend kommt seine Musik daher. Durch klare Muster und scheinbar planbare Abläufe definiert, bricht Bach zielgenau und dem musikalischen Verlauf angepasst aus dem Konstrukt aus. Eine faszinierende Praktik, die zeitlos wirkt und dennoch immer wieder neu definiert werden kann!</p>
<p>Mit Vera Klaiber an der Orgel, Fernando Lepe Arias und Christian Zimmermann an Klavier &amp; Synthesizer ist das Format <strong>BACH MEETS ELECTRO</strong> entstanden. Inspiriert von Johann Sebastian Bachs Werken, werden neue Stücke &#8211; re:works &#8211; geschaffen. Jedes Konzert wird zu einem einzigartigen Klangerlebnis, wenn sich originale Orgelstücke und Bearbeitungen für Synthesizer, Klavier und Orgel im immersiven Kirchenraum treffen und abwechseln.</p>
<h3 style="text-align: left;">Die „winterhalter orgel tour 2025“</h3>
<p>Die Orgelbauwerkstatt Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach im Schwarzwald formt Instrumente, die in bestechender Art ebenso Ausdrucksmöglichkeiten der Jetztzeit in sich bergen, indem die Praktiken des historischen Orgelbaus mit modernster Technik und neuer Technologie in Verbindung gebracht werden. Und überhaupt orientiert sich die Werkstatt an Tradition und deren gleichzeitigem Überführen in die Moderne durch Beschreiten neuer Wege. Eine Haltung, die das Konzept <strong>BACH MEETS ELECTRO</strong> und die Werkstatt Winterhalter<br />
miteinander verbindet.</p>
<p>Die <strong>„winterhalter orgel tour 2025“</strong> wird in Kooperation mit der Orgelbauwerkstatt Claudius Winterhalter durchgeführt und hat zum Ziel, Winterhalter-Orgeln konzertant und über den Zeitraum eines Jahres erklingen zu lassen. Dabei können die Veranstaltungs- und Konzertreihen verschiedenartig sein.</p>
<p>Weitere Informationen finden Sie unter <a href="http://bachmeetselectro.com/">bachmeetselectro.com</a>, auf <a href="https://www.youtube.com/channel/UC01hnne5Zoq4_CnNReIXKYw">YouTube</a>, auf <a href="https://www.patreon.com/nandman/shop">Patreon</a> und auf <a href="https://www.instagram.com/bachmeetselectro">Instagram</a>.</p>
<div class="grey-box">
Vera Klaiber \ Orgel<br />
Fernando Lepe Arias \ Klavier &amp; Synthesizer<br />
Christian Zimmermann \ Klavier &amp; Synthesizer<br />
</div>
<a class="standard-btn black-btn" href="https://bachmeetselectro.com/"><span>&gt; zur Website</span></a>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">11030</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Die Orgel Christuskirche Kronshagen</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/die-orgel-christuskirche-kronshagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Nov 2023 12:16:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Christuskirche Kronshagen]]></category>
		<category><![CDATA[Instrumente]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.orgelbau-winterhalter.de/?p=10345</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-10345"></span></p>
<div class="“wide-content“"><div class="soliloquy-feed-output"><img decoding="async" class="soliloquy-feed-image" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2023/11/Christuskirche-Kronshagen-01.jpg" title="Christuskirche Kronshagen-01" alt="Christuskirche Kronshagen-01" /></div></div>
<div class="“wide-content“">
<div class="three-columns-one">
<p class="“intro“">Disposition</p>
<table>
<tbody>
<tr class="“odd“">
<td><strong>HAUPTWERK I </strong><br />
Bourdon	16‘<br />
Principal 8‘<br />
Soloflöte 8‘<br />
Gemshorn 8‘<br />
Octave 4‘<br />
Rohrflöte 4‘<br />
Superoctave 2‘<br />
Mixtur IV 1 1/3‘<br />
Trompete 8‘
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>SCHWELLWERK II</strong><br />
Geigenprincipal 8‘<br />
Doppelgedeckt 8‘<br />
Viola di Gamba 8‘<br />
Vox coelestis 8‘<br />
Fugara 4‘<br />
Traversflöte 4‘<br />
Sesquialter II 2 2/3‘<br />
Quinte** 2 2/3’<br />
Flageolet 2‘<br />
Oboe 8‘<br />
Tremulant
</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>PEDAL</strong><br />
Subbass 16‘<br />
Octavbass* 8‘<br />
Bassflöte* 8‘<br />
Bassoctave* 4‘<br />
Posaune 16‘<br />
Trompete* 8‘<br />
*Transmission HW/Ped<br />
**Vorabzug aus Sesquialter
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>KOPPELN</strong><br />
II-I<br />
SUB II-I<br />
I-P<br />
II-P<br />
SUPER II-P</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>TONTRAKTUR </strong><br />
Mechanisch</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>REGISTERTRAKTUR</strong><br />
Mechanisch</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>PIANO-PROGRESSION </strong><br />
Balanciertritt für Schwellwerk</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>STIMMTONHÖHE</strong><br />
440 Hz / 17° C</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>TEMPERIERUNG </strong><br />
gleichstufig modifiziert<br />
Gottwald 3</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>TONUMFANG</strong><br />
Manual C-a3<br />
Pedal C-f1</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>WINDDRÜCKE </strong><br />
HW 75 / SW 80 / PW 100</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>Einweihung</strong><br />
8. Oktober 2023
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div> <div class="three-columns-two last">
<h2>Kreativ und Vielseitig</h2>
<p><span class="dropcap">D</span></p>
<p>ie evangelisch-lutherische Kirche Kronshagen wurde 1961 als roter Backsteinbau mit freistehendem Glockenturm errichtet. Zwei Jahre später erhielt sie ihre erste Orgel, erbaut von dem damals in Norddeutschland und darüber hinaus bekannten Orgelbauer Detlef Kleuker (Brackwede, heute zu Bielefeld gehörig). Auf zwei Manualen und Pedal verfügte sie über 24 klingende Stimmen, gesteuert über eine mechanische Traktur. Der Klang war für die damalige Zeit typisch: hell, spitz und scharf, aber auch spröde: so stellte man sich die Wiedergabe der älteren Musik eines Buxtehude oder Bach vor, aber auch von Komponisten, die in Nachfolge dieser Meister schrieben – von Hugo Distler über Ernst Pepping zu Siegfried Reda. Optisch entsprach sie dem, was zu dieser Zeit üblich war: Klare Rechteckfelder, in diesem Fall erbaut aus braun furnierten Tischlerplatten.<br />
Im Laufe der Jahre waren einige Register der Orgel kraftlos geworden – durch Materialermüdung und Ablagerungen von Dreck. Bald traten auch technische Probleme auf, die Reparaturen nach sich zogen. Die beim Bau verwendeten Materialien – viel Kunststoff, beim Holz Tischlerplatten, zu weiches Pfeifenmetall und Aluminiumtrakturen – versagten ihren Dienst früher als erwartet oder führten anderweitig zu massiven Problemen. Die Prospektpfeifen drohten aufgrund zu schwachen Materials herauszufallen; einige kleinere Pfeifen waren nicht mehr stimm- und spielbar – sie waren schlicht zu verbogen; die Traktur war schwergängig – und eine Reparatur der übrigen Mängel hätte diese große Einschränkung ebenso wenig beheben können wie die als problematisch empfundene klangliche Gesamtanlage: So wurde über die Jahre der Ruf nach einer neuen Orgel immer lauter.<br />
Nachdem zunächst die Kirche grundlegend renoviert worden war, eine Maßnahme, bei der im Innenraum die Oberflächen glatter wurden und der Gesamteindruck – auch in akustischer Hinsicht – aufgeräumter, heller und klarer, reifte der Entschluss zum Orgelneubau. Vielleicht kam dabei unterstützend der Umstand zum Tragen, dass am 7. Dezember 2017 im südkoreanischen Jeju die Entscheidung gefallen war, Orgelbau und Orgelspiel in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufzunehmen. Dies führte zu einem neuen Selbstbewusstsein derer, die sich der Orgel verschrieben haben, und zu erheblich mehr Rückendeckung. Worum ging es bei dieser epochemachenden Entscheidung, die von vielen – insbesondere in Deutschland – vorbereitet worden war? Kurzgefasst um nichts anderes, als was die evangelisch-lutherische Christusgemeinde in Kronshagen nun auch für sich haben wollte: Handwerklich hochwertigen Orgelbau, wie man ihn bislang vermisst hatte, mit den vielseitigen musikalischen Möglichkeiten einer sorgfältig disponierten und intonierten Orgel, die in vielen Stilen zuhause ist. Für die Gemeinde waren die leitenden Gedanken, mit den Mitteln der (Orgel-) Musik nicht nur das Evangelium zu verkündigen, sondern auch Trost spenden und Gemeinschaft bilden zu können.</p>
<p class="intro"><ins>»Die orgl ist doch in meinen augen und ohren der könig aller instrumenten.« </p class="intro"></ins><br />
(Wolfgang Amadé Mozart in einem Brief<br />
an seinen Vater)<br />
Nachdem der Beschluss zum Bau einer neuen Orgel erst einmal gefasst war, entfaltete die Kirchengemeinde sogleich bislang ungeahnte Aktivitäten des Fundraisings, um den feierlichen Orgelklang für die Gottesdienste, für Trauungen und Konfirmationen, Trauerfeiern und schließlich auch in Konzerten wiederzuerlangen. Mit ihren Aktivitäten gewann sie sogar den Fundraising-Preis der Landeskirche! So kam in wenigen Jahren die schier unglaubliche Summe von mehr als 300.000 Euro zusammen, weit mehr als nur ein ›Grundstock‹ für den Bau des neuen Instruments.<br />
Gleichwohl führten finanzielle Beschränkungen dazu, dass die neue Orgel etwas kleiner ausfallen sollte als ihre Vorgängerin: nur noch 20 Register, ebenfalls auf zwei Manualen und Pedal. Claudius Winterhalter löste die knifflige Frage nach der bestmöglichen Disposition in Zusammenarbeit mit dem Orgelsachverständigen Hans-Martin Petersen (Lübeck) so, dass er – ausgehend von den Funktionen bzw. Aufgaben des Instruments in Liturgie und freiem Spiel – zwei gut ausgestattete Manuale plante, die von einem nur mit dem Notwendigsten besetzten Pedal begleitet werden. Ähnliche Konzeptionen lassen sich bereits an historischen Orgeln finden, beispielhaft etwa in Sachsen bei den kleineren Orgeln von Gottfried Silbermann; und im Norden hat der bekannte Orgelbauer Arp Schnitger sogar immer wieder Orgeln ganz ohne Pedal, dafür aber mit gut besetzten Manualen geschaffen. Winterhalter geht noch einen Schritt weiter: Er borgt einzelne Register im Hauptwerk als ›Transmissionen‹ in das Pedal aus, um so dessen Variationsbreite zu erweitern. </p>
<p class="intro"><ins>»Orgel spielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen zu offenbaren.« </p class="intro"></ins><br />
(Der Pariser Organist, Komponist und<br />
Pädagoge Charles-Marie Widor)<br />
Das Ergebnis ist ein Instrument mit klaren Konturen: Ein Hauptwerk, dessen Rückgrat aus einem Principalchor (Principal 8&#8242;, Octave 4&#8242;, Superoctave 2&#8242; sowie Mixtur) besteht, der sowohl für den Forte-Klang der Orgel bei der Begleitung des Gemeindegesangs als auch als klangliche Basis einschlägiger feierlicher Orgelliteratur – etwa eines Präludiums von Johann Sebastian Bach – zu dienen vermag. Erweitert wird der Principalchor durch den Bourdon 16&#8242;, eine Trompete 8&#8242; sowie zwei Flöten (8&#8242; und 4&#8242;); die Soloflöte 8&#8242; verleiht dem Hauptwerk ein besonders charakteristisches Profil, eine aparte Farbe: sie lässt sich für solistische Zwecke einsetzen und in aparten Mischungen mit dem zweiten Manual kombinieren.<br />
Das zweite Manual ist dem Hauptwerk absolut ebenbürtig. Es steht in einem Schwellkasten und kann so dynamisch flexibel reguliert werden. In diesem Werk finden sich all diejenigen Stimmen, die dem Rückgrat der Orgel Schwung, Dynamik, Farbe und Glanz verleihen: Vier Register in der 8&#8242;-Lage, vom Geigenprincipal über Doppelgedeckt und Viola di Gamba (also eine flötige und eine streichende Stimme) bis zur schwebend gestimmten Vox coelestis, die ihre mystische Wirkung besonders im geschlossenen Schwellkasten entfaltet, dazu mit Fugara und Traversflöte 4&#8242; zwei ausgesprochen charakteristische romantische Klangfarben, schließlich mit Sesquialter, Flageolet und Oboe Farbregister für verschiedene Solomischungen und Klangwirkungen, wie sie nicht nur in barocker, sondern auch in französisch-romantischer Musik gebraucht werden. Was fehlt? Auch wenn man natürlich viele weitere Wünsche haben kann – in frappierender Weise fehlt zunächst einmal: nichts!<br />
Dass die Disposition sich denn auch weniger als ›typisch‹ für eine bestimmte Orgellandschaft, sei sie nun eher im Norden oder im Süden verortet, lesen lässt, sondern durch die Vielzahl ihrer Möglichkeiten besticht – jenseits aller Konventionen und Traditionen, macht den Reiz des Musizierens aus: Die Orgel bietet einerseits die erforderlichen Farben für Musik ganz verschiedener Herkunft, andererseits fordert ihre Disposition immer wieder zu unkonventionellen Lösungen heraus und inspiriert zu ungeahnten Klangwirkungen beim Improvisieren. Und sie lebt von der Verwendung differenzierten Materials (Holzpfeifen und Legierungen aus Zinn und Blei in unterschiedlicher Zusammensetzung) und von der sorgfältigen Intonation der Einzelstimmen (Kilian Gottwald, der auch eine eigene Modifikation der gleichschwebenden Stimmung angelegt hat); sie entfaltet ihre Wirkung jeweils für sich und in aparten Kombinationen untereinander.<br />
Die Zusammenstellung der Register ist auf diese Weise weniger das Ergebnis eines Knobelns, Abwägens, Hinzufügens oder Weglassens (obwohl sicher all dies bei ihrer Entwicklung notwendig war), sondern einer Haltung gegenüber der Orgelkunst: kreativ und vielseitig, der Tradition verpflichtet und trotzdem offen für Neues. Wie könnte dies besser zum Ausdruck gebracht werden als in der Gestaltung des sachlich gestaffelten Prospektbildes, mit dem Claudius Winterhalter optisch auf die Formensprache des Raumes reagiert, zugleich aber den Aufbruch zu neuen Ufern symbolisiert – als ein dynamisches, tanzendes Instrument, das seinen Spielerinnen und Spielern keine Beschränkungen auferlegt!<br />
<i>Matthias Schneider </i></p>
</div></p>
<div class="divider"></div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">10345</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Die Orgel Predigerkloster Erfurt Refektorium</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/die-orgel-predigerkloster-erfurt-refektorium/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2022 09:15:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Instrumente]]></category>
		<category><![CDATA[Predigerkloster Erfurt Refektorium]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.orgelbau-winterhalter.de/?p=9309</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-9309"></span></p>
<div class="“wide-content“"><div class="soliloquy-feed-output"><img decoding="async" class="soliloquy-feed-image" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2022/12/Erfurt-Refektorium_01-1.jpg" title="Erfurt-Refektorium_01" alt="Erfurt-Refektorium_01" /></div></div>
<div class="“wide-content“">
<div class="three-columns-one">
<p class="“intro“">Disposition</p>
<table>
<tbody>
<tr class="“odd“">
<td><strong>HAUPTWERK I </strong><br />
Principal 8‘<br />
Salicional* 8’<br />
Holzflöte 8‘<br />
Octave 4‘<br />
Rohrflöte* 4‘<br />
Sesquialter 2 2/3’<br />
Quinte** 2 2/3’<br />
Super Octave 2‘<br />
Mixtur IV 1 1/3‘<br />
Quinte** 1 1/3’</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>NEBENWERK II</strong><br />
Salicional 8‘<br />
Bourdon 8‘<br />
Fugara 4’<br />
Rohrflöte 4‘<br />
Sesquialter II* 2 2/3’<br />
Super Octave* 2’<br />
Flageolet 2‘<br />
Trompete 8‘</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>PEDAL</strong><br />
Subbass 16‘<br />
Gedecktbass *** 8‘* Wechselschleife<br />
** Vorauszug<br />
*** Extension</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>KOPPELN</strong><br />
II &#8211; I<br />
I – P<br />
II – P<br />
SUB II – II<br />
(durchkoppelnd auf I)</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>TREMULANT </strong></td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>TRAKTUREN</strong><br />
Mechanische Tontraktur<br />
Mechanische Registersteuerung</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>WINDDRUCK </strong><br />
65 mm WS</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>TUNUMFANG</strong><br />
Manual C – g’’’<br />
Pedal C – f’</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>STIMMUNG </strong><br />
Ungleichschwebende<br />
Temperierung nach<br />
Kilian Gottwald Variante III<br />
442 Hz/18°</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div> <div class="three-columns-two last">
<h2>Klasse statt Masse</h2>
<p><span class="dropcap">H</span></p>
<p>offentlich durften Sie das schon einmal genießen: Sie halten eine Speisekarte mit nur wenigen Gerichten in Händen, um dann von einem köstlichen Mahl überrascht zu werden, kundig zubereitet aus erlesenen Zutaten. So verhält es sich mit der neuen Winterhalter-Orgel im Refektorium der Predigerkirche zu Erfurt.<br />
Dieses einstige Refektorium, heute Gottesdienststätte, ist ein schlichter, heller und freundlicher Raum mit strenger Symmetrie und klaren Proportionen. Dem zweischiffigen Saal mit seinen fünf schlanken Säulen und den luftigen Kreuzgewölben mit ihren kunstvollen Schlusssteinen, durfte keinesfalls etwas unbedacht Störendes hinzugefügt werden. Überdies war der Orgelstandort an der nördlichen Stirnwand des westlichen Schiffes gegeben: Dort stand schon das ehemalige Positiv, und man verbaute weder einen Zugang noch eine Lichtquelle. Die neue Orgel sollte deutlich größer und vielseitiger werden. Also galt es, die dadurch naturgemäß entstehende optische Größe so zu komprimieren, dass sie sich zur Raumumgebung stimmig verhält, ohne Nachteile für das Instrument an sich.</p>
<p><b>Die äußere Gestaltung</b><br />
Klassisch zentrierte Prospektformen schieden von vorneherein aus, schon wegen des seitlichen Standorts.</p>
<p class="intro"><ins>Vor dem Hintergrund der vielfach gegliederten Raumschale war es wichtig, dem Gesamtbild eine gewisse Ruhe zu geben. </ins></p>
<p>Dies geschieht hier durch eine geradzahlige Prospektgliederung deren einzelne Felder jedoch gleichzeitig mit asymmetrischen Effekten aufwarten. Wir sehen eine Vorderfront mit vier abgestuften Turmfeldern, die zusätzlich noch leicht gegeneinander gekippt sind. Dieser Kniff wird vom Betrachter nicht bewusst wahrgenommen, schafft aber Plastizität und eine unterschwellige Spannung. Dazu ergänzend wurden die Lisenen überhöht durch schlichte Licht-Fialen. Sie sind zugleich eine Reminiszenz an die vorherrschende Gotik. Diese bewusste Vertikalbetonung wird aufgelockert durch geschweifte Prospektlabien die zum Raum hindeuten. Die bekrönenden Zierelemente bestehen aus Floatglas mit Goldeinschmelzungen die intensiver wirken als eine herkömmliche Polimentvergoldung. Einziger weiterer Farbakzent sind die roten Schutz-Zier-Gitter hinter den Füßen der Prospektpfeifen, die sich in den Farbenkanon des Raumes einfügen. Das Orgelgehäuse selbst hat der Schwarzwälder Künstler Frieder Haser auf seine typische Art in mehreren Farbschichten gefasst und so strukturiert, dass die Flächen leicht und luftig wirken. Durch den „über Eck“ geführten Pfeifen-<br />
prospekt, wird das Gesamtbild im besten Sinn des Wortes abgerundet.</p>
<p><b>Wenige Register – breites Spektrum</b><br />
Will man mit nur 14 Registern möglichst viele musikalische Bereiche – unterschiedliche Epochen, Orgellandschaften, aber auch liturgische und aufführungspraktische Situationen – erschließen, ist eine gewisse Freiheit von Überkommenem hilfreich. Gefragt ist eine strenge Ökonomie in der Auswahl der Register und ein zuträgliches Maß an Kreativität. Letzteres bedeutet keineswegs Beliebigkeit, denn es sollte ja eine zweimanualige Orgel entstehen, an der sich jeder Musiker leicht orientieren kann. Ergo war eine gewisse Werkstruktur mit zwei mal vier Stimmen sinnvoll. So sind vom ersten Manual aus Principal 8‘ (damit wird die Orgel „erwachsen“), Octave 4‘ und die krönende Mixtur (mit Vorabzug Quinte 1 1/3‘) spielbar; hinzukommt als verhaltene Ebene eine Holzflöte 8‘. In dieser Besetzung kann man den Kernbestand eines klassischen Hauptwerks sehen – aber eben nicht nur. – Das zweite Manual enthält ein leises Gedackt 8‘, eine kräftige Fugara 4‘ und ein sehr weites Flageolet 2‘. Deutet sich schon hierin ein gewisses Gewicht dieses vermeintlichen Nebenwerks an, so vervollständigt die Trompete das kleine Ensemble zu einem wahren Kraftpaket. Damit wird jene Unwucht vermieden, die zwischen den Manualen kleinerer Orgeln oft zu beobachten ist; außerdem kann die Trompete unabhängig vom Plenum mittels Pedalkoppel im Bass gespielt werden. – Schwer zu entscheiden ist bei begrenzten Ressourcen, wo in solchen Fällen Flöte, Streicherstimme, Aliquote etc. zu disponieren sind. Als „Joker“ sind sie hier zusammen mit der Octave 2‘ mittels Wechselschleifen wahlweise auf dem ersten oder dem zweiten Manual spielbar. Dies eröffnet sehr viele zusätzliche Möglichkeiten, zumal aus Sesquialtera per Vorabzug auf dem ersten Manual die Quinte verfügbar ist. Nicht zuletzt aus Platzgründen musste im Pedal eine Pfeifenreihe (Subbaß 16‘ und Gedacktbaß 8‘) genügen. –</p>
<p class="intro"><ins>Durch geschicktes Registrieren kann dieser knappe Bestand sehr abwechslungsreich genutzt werden. </ins></p>
<p>Hilfreich sind dabei die drei Normalkoppeln, zu denen noch eine Suboktavkoppel im zweiten Manual kommt. So ergibt sich insgesamt der Klang eines großen Instrumentes auf 16‘-Basis.</p>
<p><b>Fülle und Farbenvielfalt wecken</b><br />
Der Schlüssel zur Farbenvielfalt liegt jedoch vor allem in der Kunst des Mensurierens und Intonierens. Wie Claudius Winterhalter für die Gesamtplanung, hat sich Intonateur Kilian Gottwald für die Klanggestaltung ganz auf den Raum eingelassen. Eine glückliche Mensurierung ist Voraussetzung und Grundlage für die Klanggebung. Damit diese aber die nötige Individualität erreicht, müssen gewisse Parameter flexibel bleiben. Intonation heißt ja, einer jeden einzelnen Orgelpfeife genau den Klang zu geben, der dem jeweiligen Raum zuträglich ist. Dazu gehören die passende Lautstärke, ein angenehmer Tonansatz (nicht knallend, nicht zu schleppend) und eine charakteristisches Obertonspektrum, das wir als Klangfarbe wahrnehmen. Hier im Refektorium stellte sich schnell heraus, dass man mit der Lautstärke vorsichtig sein muss und der Tonansatz eher weich gehalten werden sollte. Die Akustik ist sehr direkt, die Töne breiten sich ungehindert und fast gleichmäßig im Raum aus; die Schall-Laufzeit (Hall) ist gering.<br />
Insgesamt sind dies günstige Bedingungen für die Formung schöner Orgelklänge,<br />
andererseits „verzeiht“ diese sensible<br />
Hörsamkeit nichts.<br />
Kilian Gottwald nutzt bei seiner Arbeit insbesondere eine langjährige Erfahrung als Sänger, Gesanglehrer und Chorleiter. Auf dieser Basis schätzt er ein, welche Registerfarben, welche Kombinationen etwa für die Begleitung des Gemeindegesangs, den solistischen Vortrag oder die Unterstützung eines Instrumentalensembles genau in dieser Akustik geeignet sind. Hierzu kommen ständige Klangtests etwa mit Kantorengesang. Zur Wahrheit gehört aber auch ein ordentliches Quantum Risikobereitschaft: Nicht immer ist bis ins letzte planbar,<br />
wohin die klangliche Reise geht und gerade bei diesem Instrument hat der Intonateur seine Vorstellungen im Laufe der Arbeiten vor Ort weitreichend modifiziert. Zu wünschen ist den Musikern, dass sie sich ebenso positiv von den vielfältigen Möglichkeiten überraschen lassen, wie man dies während der Intonation erleben durfte.<br />
Ursprünglich war dies der Ort, an dem sich die Konventualen des Predigerklosters stärkten: zunächst an Leib, sicher aber auch an Seele. Man denke an Meister Eckhart, der im 13. Jahrhundert just an diesem Ort seine mystisch und theologisch weit reichenden Gedanken mit den Hörern teilte, etwa in Form der klösterlichen Tischlesung. Heute dient das Refektorium als Winterkirche sowie als Ausbildungsstätte für die Kirchenmusik und als würdiger Konzertraum.<br />
Der reichhaltigen Thüringer Orgellandschaft wurde mit diesem Instrument ein weiterer Akzent hinzugefügt, der neugierig macht.</p>
<p><i>Markus Zimmermann</i></p>
<p class="intro"><ins>Immer ist<br />
die wichtigste Stunde<br />
die gegenwärtige,<br />
immer ist<br />
der wichtigste Mensch,<br />
der dir gerade gegenüber steht,<br />
immer ist<br />
die wichtigste Tat<br />
die Liebe.</ins></p>
<p><i>Meister Eckhart  </i></p>
</div></p>
<div class="divider"></div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">9309</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Die Orgel St. Johannis Hamburg-Eppendorf</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/die-orgel-st-johannis-hamburg-eppendorf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 May 2022 09:36:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hamburg-Eppendorf - St. Johannis]]></category>
		<category><![CDATA[Instrumente]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.orgelbau-winterhalter.de/?p=8582</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-8582"></span></p>
<div class="“wide-content“"><div class="soliloquy-feed-output"><img decoding="async" class="soliloquy-feed-image" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2022/08/Hamburg-Eppendorf_01.png" title="Hamburg-Eppendorf_01" alt="Hamburg-Eppendorf_01" /></div></div>
<div class="“wide-content“">
<div class="three-columns-one">
<p class="“intro“">Disposition</p>
<table>
<tbody>
<tr class="“odd“">
<td><strong>HAUPTWERK I </strong><br />
Bourdon	16’<br />
Principal	8‘<br />
Holzflöte	8‘<br />
Gemshorn	8‘<br />
Gedeckt	8‘<br />
Octave 	4‘<br />
Rohrflöte	4‘<br />
Superoctave	2‘<br />
Mixtur major IV	2’<br />
Trompete	8‘
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>SCHWELLWERK II</strong><br />
Geigenprincipal	8‘<br />
Doppelgedeckt	8‘<br />
Viola di Gamba	8‘<br />
Vox Coelestis	8‘<br />
Fugara	4‘<br />
Traversflöte	4‘<br />
Nasard	2 2/3‘<br />
Flageolet	2‘<br />
Terz		1 3/5‘<br />
Mixtur minor III	1‘<br />
Basson Hautbois	8‘<br />
Trompette harm.	8‘<br />
Tremulant<br />
Schwellzug
</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>PEDAL</strong><br />
Contrabass	16‘<br />
Subbass*	16‘<br />
Octavbass*	8‘<br />
Cello**	8‘<br />
Flötenbass*	8‘<br />
Bassoctave*	4‘<br />
Posaune	16‘<br />
Trompete**	8‘<br />
*Transmission HW/Ped<br />
**Extension
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>KOPPELN</strong><br />
I-P	II-P<br />
II-I<br />
Sub II-I<br />
Super II-P</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>GLOCKENZIMBEL </strong><br />
Zimbelstern im SW<br />
5 Glocken (Bronze)</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>PIANO-PROGRESSION  </strong><br />
Balanciertritt (mechanisch)<br />
für Schwellwerk<br />
Display</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>TONTRAKTUR </strong><br />
Mechanisch</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>REGISTERTRAKTUR</strong><br />
Mechanisch<br />
Schleifladen<br />
Elektrischer Setzer (Magnete) 26.000 Kombinationen</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>STIMMTONHÖHE </strong><br />
440 Hz / 17° C
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>TEMPERIERUNG</strong><br />
modifiziert gleichstufig
</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>TONUMFANG </strong><br />
Manual C-a3<br />
Pedal C-f1
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>WINDDRÜCKE</strong><br />
HW 75<br />
SW 82<br />
PW 100
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div> <div class="three-columns-two last">
<h2>Erstaunliche Dynamik und Raffinesse</h2>
<p><span class="dropcap">B</span></p>
<p>ereits im Mittelalter stand an der Stelle der heutigen St.Johannis-Kirche in Eppendorf ein Kirchbau. Ältestes erhaltenes bauliches Zeugnis sind die noch heute hinter der Orgel sichtbaren Mauerreste eines romanischen Rundturmes aus Feldsteinen, der möglicherweise schon in karolingischer Zeit als Wachturm an der damaligen Alsterfurt errichtet wurde. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche datiert aus dem Jahre 1267. Im 14. Jahrhundert wurde sie durch Brand zerstört und wiederaufgebaut. 1622 schließlich entstand der heutige Bau in Form einer typischen norddeutschen Dorfkirche als Fachwerksaal mit seitlicher Empore. Der separat stehende Feldsteinturm wurde 1751 mit Ziegelmauerwerk quadratisch ummantelt und mit dem Kirchengebäude verbunden. Eine reiche Innenausstattung mit Kunstwerken aus der Erbauungszeit hat sich erhalten und wurde bis in die Neuzeit weiter angereichert.</p>
<p>Der Bau einer Orgel allerdings ließ einige Zeit auf sich warten: erst 80 Jahre nach Fertigstellung der Kirche entschloss man sich, eine solche in Auftrag zu geben, und zwar bei keinem Geringeren als dem schon damals berühmten und international tätigen Hamburger Orgelbauer Arp Schnitger. Dieser baute im Jahre 1701 ein Instrument mit elf Registern auf zwei Manualen mit angehängtem Pedal. Es verrichtete 170 Jahre seinen Dienst und wurde dann vermutlich als zu klein empfunden. Danach folgte 1870/72 ein Neubau durch C. H. Wolfsteller, ein weiterer 1902 durch P. Rother, beide aus Hamburg. Auswärtige Firmen lieferten nach dem Krieg wiederum neue Instrumente (E. Kemper &#038; Sohn, Lübeck 1953/55 und G. F. Steinmeyer &#038; Co., Oettingen 1972/73).</p>
<p>Mit dem nun vollendeten Werk von Claudius Winterhalter erhält die heutige Kirche damit nicht weniger als ihre sechste Orgel in ihrer 400-jährigen Geschichte. Nachdem zumindest die beiden Nachkriegsorgeln den hohen kirchenmusikalischen Ansprüchen der Gemeinde in keiner Weise genügen konnten, ist nun endlich ein Instrument vorhanden, dass diesen Anforderungen vollumfänglich gerecht werden kann. Mag der Gedanke einer Wiederherstellung der ursprünglichen Schnitger-Orgel in dem noch weitgehend erhaltenen historischen Raum manchem Freund der alten Musik auch verlockend erschienen sein: hier wurde er bewusst nicht weiter verfolgt. Denn weder haben sich irgendwelche Spuren dieses Instrumentes erhalten, noch hätte dies der mit erhaltenen Originalinstrumenten reich gesegneten regionalen Orgellandschaft eine entscheidende Facette hinzugefügt. Die wenige Jahre zuvor entstandene noch weitgehend original erhaltene Orgel im nur 130 km entfernten Dedesdorf beispielsweise dürfte mit ihrer Zwillingslade und ebenfalls angehängtem Pedal der Eppendorfer weitgehend entsprochen haben. Vor allem aber wäre eine Fokussierung auf eine historische Orgel bescheidensten Ausmaßes an der aktuellen kirchenmusikalischen Praxis vorbei gelaufen. St. Johannis als eine der beliebtesten Hochzeitskirchen Hamburgs mit breit gefächerter gottesdienstlicher und konzertanter Kirchenmusik benötigt ein Instrument stilistischer Vielfalt und angemessener Größe.</p>
<p>Genau hier setzt die Konzeption des neuen Instrumentes an, galt es doch,</p>
<p class="intro"><ins>ein Werk zu schaffen, welches eine große Bandbreite abdeckt, ohne in charakterlose Beliebigkeit zu verfallen </ins></p>
<p>– all das auf begrenztem Raum, der nur ca. 25 Registern Platz bietet. Die Lösung, die Claudius Winterhalter hier (wie bereits an anderen Arbeiten) erfolgreich erprobt, besteht darin, zwei reich ausgestattete hintereinander aufgestellte Manualwerke zu disponieren, sich bezüglich der Pedalregister jedoch auf das Notwendigste zu beschränken. (Hier schließt sich dann doch noch der Kreis zum Vorbild Schnitgers, der auf ein eigenes Pedal ganz verzichtete und dieses lediglich an die Manualwerke anhängte. Große Pedalpfeifen bedeuten eben bei begrenztem Raum immer eine erhebliche Einschränkung der verbleibenden Klangmöglichkeiten.) So enthält das seitlich platzierte Pedal im Grunde nur je ein selbstständiges Labial- und Lingualregister (Contrabass + Posaune). Durch Transmissionen aus dem HW und Extensionen entstehen allerdings nicht weniger als acht Registerzüge. Weitere Möglichkeiten werden durch drei Pedalkoppeln, darunter eine Superoktav-Koppel ins 2. Manual erschlossen.</p>
<p>Auf diese Weise entsteht der Freiraum, in den Manualwerken alle Farben bereit zu stellen, die sowohl die barocke wie die symphonische (einschließlich der französischen) Literatur erfordert. Ein reich ausdifferenziertes und sehr wirksames Schwellwerk mit vier labialen 8‘-Registern (einschl. Schwebung) und einem bis zur Terz reichenden Flötenchor wartet dann auch noch mit zwei eigenen Zungenstimmen auf, die dem französische Repertoire die entscheidende Färbung geben (Basson-Hautbois + Trompette harmonique). Außerdem finden sich hier zwei Principal-Stimmen in engerer Mensur und streichendem Klang in 8‘- und 4‘-Lage, die für romantische Literatur unerlässlich und eine schlüssige Ergänzung zum klassischen Principal-Chor des Hauptwerkes sind.  In Verbindung mit einer höher liegenden Mixtur befähigen sie dieses Manual aber auch zum barocken Nebenwerk.</p>
<p>Vier weitere labiale 8‘-Stimmen finden sich im Hauptwerk, das zudem mit dem 16‘-Bourdon ein solides Fundament erhält. Hier steht wie erwähnt auch der bis zur Mixtur reichende Principal-Chor sowie eine weitere Trompete (mit einfacher Becherlänge). Die außerdem noch vorhandene Rohrflöte 4‘ schafft in Verbindung mit den 8‘-Stimmen vielfältige und elegante Begleitmöglichkeiten und eine willkommene Ergänzung zur überblasenden Traversflöte des Schwellwerkes. Beide 4‘-Flöten haben darüberhinaus solistische Qualität. Eine Suboktavkoppel ins 2. Manual unterstützt die Gravität.</p>
<p>Die so angelegten klanglichen und dynamischen Möglichkeiten beeindrucken und werden durch eine gut ausgestattete Setzeranlage erschlossen, so dass sie auch bequem und ohne größeren Aufwand genutzt werden können. Sollte die Elektronik einmal versagen, bleiben die mechanischen Registerzüge trotzdem einsatzfähig. Die zweiarmige Tontraktur (mit Carbon-Abstrakten) spielt die mechanischen Schleiflade äußerst sensibel und auch bei allen Koppeln noch ohne Mühe an. Ein Zimbelstern mit 5 Bronze-Glocken krönt das für eine Orgel dieser Größe überraschende Klangerlebnis.Die erstaunliche Dynamik des Instrumentes sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine besondere klangliche Raffinesse vor allem in den vielen Einzelfarben voll zum Tragen kommt, die von Intonateur Kilian Gottwald mit großer Meisterschaft herausgearbeitet wurden. Dies zeigt sich in den nicht weniger als acht labialen Manualregistern in 8‘-Lage, die alle ihre ganz eigene Persönlichkeit ausbilden und dennoch sehr mischfähig sind. Sie sind durchweg auch solistisch zu gebrauchen und erweitern so die bereits durch die Zungen und Aliquotmischungen vorhandenen Möglichkeiten an Soloregistrierungen. </p>
<p class="intro"><ins>Die Klanggestaltung zielt darauf ab, trotz der trockenen Akustik Atmosphäre und Tiefgang zu erzeugen </ins></p>
<p>und sowohl das homophone als auch das polyphone Spiel zu unterstützen.</p>
<p>Ein differenzierter Winddruck – ansteigend vom Hauptwerk über das Schwellwerk bis zum Pedal – schafft die Voraussetzung dafür, dass alle Teilwerke ihre jeweiligen Aufgaben optimal erfüllen können. Die ganz leicht ungleichstufige Stimmung erhöht die Resonanz und Mischfähigkeit und befördert das angenehme Klangerlebnis.</p>
<p>Die äußere Gestalt der Orgel fügt sich harmonisch in den historischen Kirchenraum ein, ohne seine Identität als moderner Zusatz zu verleugnen. Entscheidend für die Raumwirkung ist, dass das Gehäuse nun mittig auf der Empore steht, was sowohl aus Gründen der Raumgestaltung als auch der Klangabstrahlung ein deutlicher Gewinn im Vergleich zum Vorgängerinstument darstellt. Dieses war – wohl aus denkmalpflegerischen Gründen mit Blick auf die oben erwähnten Feldsteinmauerreste – seitlich aufgestellt worden, was durch eine empfindliche Störung der Raumsymmetrie erkauft war, die insbesondere durch das vorhandene Tonnengewölbe eine nicht zu negierende Gegebenheit darstellt. </p>
<p>Die Korrespondenz zwischen Altarraum und Orgel ist nun wieder zu erleben. Sie wird unterstrichen durch bekrönende Schmuckelemente aus Floatglas mit Goldeinschmelzungen, in deren Mitte sich der goldene Zimbelstern befindet. Diese antworten nun schlüssig auf die goldene Strahlensonne im Altarraum und das dort befindliche ebenfalls golden gefasste historische Kruzifix. Auch die übrigen Farben des Kirchraumes finden sich in der überwiegend weiß gehaltenen Farbfassung des Orgelgehäuses wieder, die durch den Künstler Frieder Haser geschaffen wurde. Sie verleiht dem Orgelgehäuse eine dezente Eleganz, die durch die übereck laufenden gerundeten Pfeifenfelder sowie den Schwung der Labienverläufe unterstrichen wird. Dazu fügt sich die durchweg edel anmutende Gestaltung des Spieltisches mit hochwertigen Materialien wie Bein und Ebenholz</p>
<p>Insgesamt bereichert dieses Instrument nun die Hamburger Orgellandschaft durch ein vielseitiges, aber dennoch charaktervolles Instrument auf höchstem handwerklichen und künstlerischen Niveau. Möge ihm eine längere Lebensdauer vergönnt sein, als seinen Vorgängern!</p>
<p><i>Andreas Fischer</i></p>
</div></p>
<div class="divider"></div>
</div>
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		<title>Das Werk zu Ende denken</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/das-werk-zu-ende-denken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Sep 2021 14:49:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Logbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Werk zu Ende denken Orgelbaumeister Claudius Winterhalter im Gespräch mit Markus Zimmermann zum Orgelneubau in der Basilika Wiblingen (21. April 2021) Die Wiblinger Basilika ist architektonisch der Abteikirche in Neresheim vergleichbar; sie ist lediglich sechs Meter kürzer. Herr Winterhalter, wie war Ihr Eindruck, als Sie diesen Raum zum ersten Mal betraten? Schon beim Betreten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" data-attachment-id="6903" data-permalink="https://www.orgelbau-winterhalter.de/die-orgel-der-basilika-wiblingen/wiblingen-titelbild/" data-orig-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild.png" data-orig-size="1200,800" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Wiblingen-Titelbild" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild-300x200.png" data-large-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild-1024x683.png" tabindex="0" role="button" class="aligncenter wp-image-6903 size-full" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild.png" alt="" width="1200" height="800" srcset="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild.png 1200w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild-300x200.png 300w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild-1024x683.png 1024w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild-768x512.png 768w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild-840x560.png 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></p>
<p><span style="color: #000000; font-family: Karla, Verdana, Arial, sans-serif; font-size: 22px; font-weight: bold;">Das Werk zu Ende denken</span></p>
<div class="“wide-content“">
<p><strong>Orgelbaumeister Claudius Winterhalter im Gespräch mit Markus Zimmermann zum Orgelneubau in der Basilika Wiblingen</strong><br />
<strong>(21. April 2021)</strong></p>
<p><em>Die Wiblinger Basilika ist architektonisch der Abteikirche in Neresheim vergleichbar; sie ist lediglich sechs Meter kürzer. Herr Winterhalter, wie war Ihr Eindruck, als Sie diesen Raum zum ersten Mal betraten?</em></p>
<p>Schon beim Betreten der Kirche war ich überwältigt von dieser erhabenen Größe und architektonischen Klarheit. Insbesondere die Helligkeit und die einzigartige Lichtführung haben mich spontan begeistert.<br />
Mir war damals in diesem Moment nicht bewusst, dass es hier von Anfang an noch keine Hauptorgel gab, und ich ging davon aus, ein bestehendes Instrument ersetzen zu sollen. Ich war total erstaunt, eine leere Empore vorzufinden!</p>
<p><em>Selbst für Sie als erfahrenen Orgelbauer ist die Wiblinger Situation einigermaßen ungewöhnlich: ein in sich geschlossener Kirchenraum, geprägt von einer kongenialen Synthese aus Spätbarock und frühem Klassizismus. Eine Hauptorgel à la Neresheim war offenbar geplant, wie die Emporenkonstruktion und das teilweise verdeckte Mittelfenster nahelegen; Prospektzeichnungen oder Dispositionen aus der Erbauungszeit sind bislang nicht bekannt. War diese Ausgangslage für Sie bei der Planung eines neuen Instruments eher Hemmnis oder Chance?<br />
</em><br />
Eine alte Zeichnung etwa von Johann Nepomuk Holzhey hätte fast zwangsläufig zu einer historisierenden Gestaltung geführt. Deshalb empfand ich dieses vermeintliche Defizit von der ersten Minute an ausschließlich als eine überaus seltene Chance, hier etwas ganz außergewöhnlich Neues zu schaffen. Als ich gewahr wurde, dass auf der Rückempore noch nie eine Orgel stand, obwohl dies ein ausgezeichneter Platz dafür ist, spielten sich vor meinem inneren Auge sofort diverse Orgelprospekt-Szenarien ab. Noch auf der Heimfahrt begann ich gedanklich, ein für diesen wunderbaren Raum passendes Orgelwerk zu entwerfen. Ich war von der Idee beseelt: Das künftige Instrument muss dem einzigartigen Raum guttun, ihn vervollständigen. Seine Weite und Großartigkeit braucht etwas Kraftvolles, Überzeugendes, nichts Aufdringliches.</p>
<p><em>Wie gingen Sie bei der Planung vor?</em></p>
<p>Sehr bald war mir klar, dass die beiden später nicht mehr sichtbaren Doppel-Pilaster zu beiden Seiten des Mittelfensters auch im zukünftigen Orgelbild eine Rolle spielen sollten. Es ging mir darum, die vertikale Raumstruktur mit dem Orgelkorpus nicht zu unterbrechen, wohl aber durch leicht kippende und spreizende Elemente den Eindruck von bewegender Lebendigkeit zu vermitteln. Schon die ersten Skizzen zeigten, dass eine Doppelung der großen Prospekttürme die Möglichkeit bot, der mächtigen Raumarchitektur etwas Kraftvolles entgegen zu stellen. Diese doppelten, mit goldenen Kapitellen bekrönten Pilaster würden das zentrale architektonische und konstruktive Moment werden. Und tatsächlich habe ich diese Situation im neuen Prospekt symbolhaft wiederholt, mitsamt den goldenen Abschlüssen. Daraus ergab sich gleichsam automatisch die Gestaltung des Mittelfeldes, wo der obere Fensterbereich als wichtiges Architekturdetail freigelassen werden musste. Natürlich darf bei der Prospekt- und Gehäusegestaltung die spätere Klangentwicklung der Orgel nie aus dem Blick geraten. Wann immer möglich, sollten sich die angebotenen Höhenverhältnisse des Aufstellungsraums auch im Raumvolumen des Musikinstruments Orgel widerspiegeln. Die in der Tiefe recht kurze Wiblinger Orgelempore erforderte eine eher flach angelegte Orgelanlage. Beides begünstigt die Klangabstrahlung. Im Ergebnis entstand eine Translation vom Raum zur Orgel, jedoch in einer versachlichten, kontemporären Formensprache.</p>
<p><em>Sie haben also bewusst nicht auf die historisierende Karte gesetzt?</em></p>
<p>Grundsätzlich möchte ich betonen, dass es mir in erster Linie immer darum geht, den jeweiligen Kirchenraum mit meinen Konzepten und Entwürfen zu bereichern. Historische Vorgaben sind Inspiration und nicht Vorbild. Manche mögen das vielleicht als Provokation empfinden.<br />
Ich orientiere mich jedoch nur so stark wie unbedingt nötig am historischen Kontext und nutze so viel gestalterische Freiheit wie möglich. Greife ich dennoch auf Überliefertes oder Bestehendes zurück, versuche ich dies ohne triviale Zitate zu tun.<br />
Im kollektiven Bewusstsein ist das Erscheinungsbild einer Orgel vor allem geprägt von den Instrumenten des Barock, der Hoch-Zeit im Orgelbau. Über einem Gehäusesockel erheben sich die Prospektpfeifen und darüber gibt es eine Bekrönung, gerne ornamental und in Gold gefasst. So habe ich also die oberen Gehäuseschlüsse als Abstraktion der Kapitelle angelegt, die den gesamten Kirchenraum umsäumen. Die dafür verwendeten Glas-Elemente mit glänzenden Gold-Einschmelzungen spiegeln außerdem das Sonnenlicht in variablen Farben wider. Das Auge empfindet es sofort als angenehm, wenn sich im Bild der Orgel auch der umgebende Raum wieder findet und Instrument und Raum zu einer Einheit werden.</p>
<p><em>Die verfügbare Grundfläche ist für eine Orgel dieser Größe recht knapp; seitlich gibt es klare Begrenzungen durch die Fenster. Gab es besondere Herausforderungen und wie begegneten Sie diesen?</em></p>
<p>Von besonderen Herausforderungen hinsichtlich des Platzangebotes kann man nur bedingt sprechen. Auch wenn die Empore wenig Tiefe hat, ist doch genügend Höhe und Breite vorhanden, und es musste kein Platz für einen Chor berücksichtigt werden. So ergab sich der konzeptionelle Aufbau der Orgel fast von selbst. Wir konnten die technischen und klanglichen Erfordernisse ohne nennenswerte Einschränkungen umsetzen. Dank des zusätzlichen Platzes durch die Rückwand-Konche fand sich dort für das Schwellwerk genügend Raum. Davor steht das Positiv, seitlich befinden sich Hauptwerk und Pedal. So war es möglich, alles auf derselben Ebene anzulegen, was für die Klangverschmelzung, die Stimmhaltung und nicht zuletzt die Zugänglichkeit bei der Wartung ideal ist. Auch ein Zugang zum teilweise verdeckten Mittelfenster wurde geschaffen. Die Orgel präsentiert sich in ihrem Innern aufgeräumt und übersichtlich. Alle Pfeifen sind wie bei einem Orchester so angeordnet, dass sie sich klanglich frei entfalten; die einzelnen Töne „hören“ sich gegenseitig, um sich bereits in der Orgel zu vermischen und idealerweise ungehindert nach vorne sprechen zu können.</p>
<p><em>Die Orgel besitzt eine aufwendige Doppelregistratur. Wie kam es dazu?</em></p>
<p>Die Auftraggeberseite wurde offensichtlich gut beraten und hat sich intensiv mit dem Thema Ganzheitlichkeit im Orgelwesen beschäftigt. So war es keine Überraschung, dass von Anfang an eine elektrische aber auch eine mechanische Registersteuerung gewünscht wurde. Auch wenn die Registersteuerung dadurch erheblich an Komplexität zunimmt, haben wir das sehr begrüßt. Denn die komplett mechanisch bedienbare Orgel ist gegenüber einer ausschließlich elektrischen Registersteuerung autonomer in ihren Funktionen. Und sie verkörpert in der archaischen „Unkaputtbarkeit“ geradezu das Urwesen der Orgel an sich. Man denke nur an den Begriff „alle Register ziehen“. Ungeachtet aller IT-Probleme funktioniert sie immer und wird von Organisten be- sonders für das spontane Musizieren in der Liturgie sehr geschätzt. Doch weil die Organistenwelt auf die Segnungen der modernen rechnergestützten Orgelelektronik nicht verzichten will und soll, ist es legitim, eine aufwendige, sogenannte duale Registersteuerung zu realisieren.</p>
<p><em>Ihre Werkstatt hat schon seit den 1980-er-Jahren besonderen Wert auf eine sogenannte freie Windversorgung gelegt. Wie wurde die Windanlage in Wiblingen angelegt?</em></p>
<p>Das Windsystem besteht aus einem zentralen Hauptbalg und einer Reihe von innfaltigen Bälgen mit Ringführung für jedes Werk. Damit erhalten wir eine belastbare, gleichmäßige Windversorgung mit individuell angepassten Winddrücken. Diese bewegen sich zwischen 80 und 92 mm Wassersäule. Wir konnten diese Art der Windversorgung auch in Wiblingen so nah wie vertretbar an die klanglichen Parameter annähern. Zielsetzung war ein inspirierender, musikalisch mitatmender Orgelwind.</p>
<p><em>Mit welchen Klangvorstellungen gingen Sie hier buchstäblich ans Werk?</em></p>
<p>Die Akustik vergleichbarer Kirchen des 18. Jahrhunderts in der oberschwäbischen Orgellandschaft leidet teilweise unter der überreichen Stuck-Ausstattung. Dies kann die Klangenergie bremsen und die Klarheit des Tones verschleiern. Dies ist hier zum Glück nicht der Fall, auch wenn das enorme Raumvolumen von der Tonstärke einen gewissen Tribut fordert. Die Wiblinger Basilika ist größenmäßig fast mit der in Neresheim identisch, wirkt jedoch mit ihrer vergleichsweise zurück- haltenden Ausstattung im Geist des Klassizismus „leichter“: Dies kann man hören, denn die Töne behalten hier in allen Raumteilen eine erstaunliche Klarheit. Die vielen glatten Reflexionsflächen von Boden, Wänden und Decke stabilisieren den Klang, so dass man ihm nicht mit Schalldruck nachhelfen muss; eine Orgel wird hier immer als gelungen empfunden werden, wenn sie selbstbewusst klingt ohne aufdringlich zu sein. – Mir ist der Zusammenhang von Optik und Klang wichtig. Dennoch sollte hier keine oberschwäbische Barockimitation entstehen. Äußerlich, technisch und musikalisch ging meine Vorstellung in Richtung eines modernen, universellen Instruments, basierend auf all jenen charmanten Stimmen, die es in Oberschwaben seit Jahrhunderten gibt. Mit 54 Registern ist die neue Orgel für die Basilika nicht zu groß. Die Disposition sollte dennoch nicht auf Kraft und Lautstärke ausgerichtet sein. Zum Vergleich: Cavaillé-Colls Orgeln für riesige französische Kathedralen sind mit ihrem hohen Anteil an Zungenstimmen wesentlich stärker auf Energie getrimmt, was sie aber für polyphone oder empfindsame Musik enorm einschränkt. Das wollten wir hier ebenso wenig wie einen geklonten Holzhey-Typ; er und seine Kollegen haben auch nicht einfach das Alte kopiert, sondern stets auch experimentiert. So haben wir also sein großrahmiges Konzept der fein abgestuften und charakteristischen Farben weitergedacht. Es sind alle traditionellen Klangfarben in der neuen Orgel vorhanden, nur anders verteilt und in weiteren Oktavlagen verfügbar. Hinzugefügt wurden noch die bei Holzhey etwas zu kurz gekommenen Zungenstimmen. Holzhey und seine Zeitgenossen mensurierten die Pfeifen tendenziell eng; man wollte und brauchte im 18. Jahrhundert keine lauten Orgeln. Die Werke der oberschwäbischen Meister zeichnen sich vor allem durch eine Großzügigkeit in der Fülle ihrer Farben aus. Diese korrespondieren in Wiblingen wiederum mit den reich bemessenen Verkehrsflächen zwischen den Gestühlen. Sie schaffen einladende Weite und Freiheit. So sollte auch unsere neue Orgel klingen. Dieser schöpferische Vorgang scheint mir näher am originären Konzept des Orgelbaus zu liegen als manche noch so gut gemeinte und handwerklich präzise ausgeführte Kopie eines Originals.</p>
<p><em>Wir kennen unzählige Orgelregister mit phantasievollen, mitunter auch blumigen Namen. Doch was ist eine Kavalflöte?</em></p>
<p>Das Vorbild ist eine im südosteuropäischen Raum, also am Unterlauf der Donau, verbreitete, schräg angeblasene und leicht trichterförmige Hirtenflöte. Sie ist kräftig und verfügt über charmante Anblasgeräusche. Wir haben diese Form für die Horizontalstimme im Zentrum der Wiblinger Orgel adaptiert. Ich gebe diesen charakteristischen Labialstimmen gerne einen ungewöhnlichen Namen mit örtlichem Bezug. Nach der Alpflöte in Alpirsbach und der Seeflöte in Konstanz nun die Wiblinger Kavalflöte.</p>
<p><em>Sie vermeiden direkte Adaptionen im gestalterischen Bereich. Wie erzielen Sie die nötige klangliche Bindung an den jeweiligen Raum bei gleichzeitiger Eigenständigkeit des neuen Instruments?</em></p>
<p>Zu schaffen ist so etwas nur durch einen intensiven Gestaltungsprozess, für den ich hier ausdrücklich auf die überragende künstlerische Arbeit des Intonateurs Kilian Gottwald hinweisen möchte. Gemeinsam haben wir beschlossen, für dieses Projekt auch die klangliche Farbenlehre des historischen süddeutschen Orgelbaus einzubeziehen. Gelb plus blau ergibt eben nicht gelb-blau oder blau-gelb, sondern grün. Ähnlich summieren sich die Teiltöne zweier bereits für sich charakteristischer Orgelregister nicht einfach, sondern bilden in der akustischen Überlagerung ihrer Formanten eine neue Klangfarbe. Diese besondere Mischfähigkeit bietet den Organisten/innen eine Fülle überraschender Klang-Kombinationen. Damit dieser Effekt eintritt, müssen alle notwendigen Klangfaktoren buchstäblich mitspielen. Dazu gehören neben den Pfeifenmensuren auch das Windsystem und die Windverteilung im Pfeifenwerk bis hin zum kleinsten Ton. Und über allem steht am Ende die Qualität der Intonation. Intonation heißt übrigens im Englischen voicing (wörtlich: Stimme geben) oder im Französischen harmonisation (wörtlich: Harmonisieren). Beides beschreibt treffend den Vorgang, den wir in Wiblingen erleben: Der edle Raum erhält nun endlich eine ihm angemessene würdige Stimme in feinster Harmonie.</p>
<p><em>Kommen wir nochmals zum Äußeren, zum Kleid der Orgel. Was ist das Besondere an der Farbgebung?</em></p>
<p>Meine diesbezüglichen Vorschläge für die zukünftige Orgel gingen von zwei Möglichkeiten der Gehäusefassung aus. Kurzzeitig wurde deshalb eine holzsichtige Gehäusefassung erwogen. Diese hätte die neue Hauptorgel – wie das Chorgestühl und die Chororgel – als Ausstattungsstück apostrophiert. Alle Beteiligten waren aber bald davon überzeugt, dass das neue Werk mit einer hellen Fassung als Bestandteil des Interieurs stimmiger erscheinen würde. Doch dafür einfach die gipsweiße Wandfarbe zu imitieren, hätte das Instrument optisch neutralisiert. Es brauchte also eine Farbidee, die der Raumstimmung entspricht und gleichzeitig die Eigenständigkeit des Instrumentes und dessen Architektur unterstreicht. Einmal mehr habe<br />
ich hier auf das geschulte Farbverständnis des Künstlers Frieder Haser gesetzt, der seit Jahren unsere Instrumente verschönert. Bei mehreren Treffen in seinem großzügigen Haslacher Atelier haben wir immer wieder über das mitunter schwierige Thema Orgel und Farbe ausgiebig debattiert und Varianten ausprobiert. Schließlich entstand rund ein Dutzend großer Farbtafeln auf Gehäusematerial. Bei der Bemusterung in der Kirche zeigte sich schnell, dass zwar Raumfarben vorkommen müssen, jedoch sehr kleinteilig adaptiert, um nicht plakativ zu wirken: Grau über Weiß und dazu Goldockertöne, mit denen die vielen Kapitelle und Stuckvergoldungen in der Kirche grundiert sind. Das so erzeugte Farbenspiel ergibt eine fast heitere Leichtigkeit und ist eine Aufforderung zur Suggestion, das Gesamtbild von Orgel und Raum zu Ende zu denken. Frieder Haser verwendete Wisch- und Spachteltechniken mit Dispersionsfarben. So entstand eine Textur ähnlich der von verputzten Wandoberflächen.<br />
Eine für die Schmuckgestaltung recht ungewöhnliche „Orgelzier“ sind die Goldelemente aus veredeltem Floatglas aus der Dekorglas-Werkstatt von Heinz und Rudi Teufel. Gold wird hier in geformtes Glas eingeschmolzen. Dadurch erhält es einen besonders hohen Glanzgrad und eine changierende Lichtwirkung. Zur Verstärkung der vertikalen Gehäusestrukturen und für den Gesamteindruck haben wir auch dieses Mal indirekte LED-Lichtbänder in die Lisenen eingebracht.<br />
Gestalterisch anders ausgerichtet ist dagegen die vorgebaute dreimanualige Spieltafel. Hier geht es um einen Arbeitsplatz, der zuerst hohen funktionalen und ergonoxmischen Ansprüchen genügen muss. Die Musiker/innen sollen sich schnell mit allen Funktionen vertraut machen können. Aber aus Überzeugung muss diese neuronale Schaltstelle für mich auch einen ästhetischen Anspruch erfüllen, um zu stimulieren. Wer sich an der Orgel wohl fühlt, spielt noch besser. Deshalb haben wir die Klaviaturen mit Ebenholz umkleidet, die Registerknöpfe sind mit Porzellanschildchen ausgestattet, und für Stirn- und Kniebrett wurde seltener Riegelahorn mit Schellackpolitur verwendet.</p>
<p>Abschließend ist es mir ein Bedürfnis, zu danken. Mein herzlichster Dank geht an Dekan Ulrich Kloos, dessen Vertrauen und unerschütterliche Zuversicht mir in Momenten des Zweifelns meinen Optimismus zurückgebracht haben. Nach langen Monaten intensiver Kirchen-Arbeit unter Pandemie-und Kühlschrank-Bedingungen konnte das Werk doch noch wie geplant vollendet werden. Für diesen überragenden Einsatz gebührt meiner Werkstatt-Crew ein besonderer Dank und höchstes Lob. Dank auch für das ausgezeichnete Engagement von Herrn Franz Barth bei der baulichen und organisatorischen Vorbereitung der Orgelempore. Nicht vergessen werden darf der Dank an alle ungenannten Spender und hilfreichen Hände, ohne die ein solches Projekt nicht realisierbar wäre.<br />
Möge dieses Instrument zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen ein hohes Alter erreichen.</p>
<p><strong>Claudius Winterhalter</strong></p>
</div>
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		<item>
		<title>Die Orgel der Basilika Wiblingen</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/die-orgel-der-basilika-wiblingen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 May 2021 17:51:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Instrumente]]></category>
		<category><![CDATA[Wiblingen - Basilika]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-6779"></span></p>
<div class="“wide-content“"><div class="soliloquy-feed-output"><img decoding="async" class="soliloquy-feed-image" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/05/Wiblingen-Titelbild.png" title="Wiblingen-Titelbild" alt="Wiblingen-Titelbild" /></div></div>
<div class="“wide-content“">
<div class="three-columns-one">
<p class="“intro“">Disposition</p>
<table>
<tbody>
<tr class="“odd“">
<td><strong>HAUPTWERK C-a’’’ </strong><br />
1. Praestant 16‘<br />
2. Principal 8‘<br />
3. Flaut travers 8‘<br />
4. Viola di Gamba 8‘<br />
5. Copel 8‘<br />
6. Quintadena 8‘<br />
7. Octave 4‘<br />
8. Rohrflöte 4‘<br />
9. Quinte 2 2/3‘<br />
10. Superoctave 2‘<br />
11. Mixtur minor 2‘<br />
12. Mixtur major 2‘<br />
13. Cornet V 8‘<br />
14. Fagott 16‘<br />
15. Trompete 8‘</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>POSITIV C-a’’’</strong><br />
16. Quintadena 16‘<br />
17. Praestant 8‘<br />
18. Unda maris 8‘<br />
19. Rohrflöte 8‘<br />
20. Salicional 8‘<br />
21. Kavalflöte 8‘<br />
22. Principal 4‘<br />
23. Spitzflöte 4‘<br />
24. Gemsflöte 2‘<br />
25. Hörnle II 2 2/3‘<br />
26. Cymbel IV 1‘<br />
27. Clarinet douce 8‘<br />
Tremulant</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>SCHWELLWERK C-a’’’ </strong><br />
28. Violon 16‘<br />
29. Geigenprincipal 8‘<br />
30. Flaut dupla 8‘<br />
31. Viola 8‘<br />
32. Bifara 8‘<br />
33. Fugara 4‘<br />
34. Traversflöte 4‘<br />
35. Quintflöte 2 2/3‘<br />
36. Flageolet 2‘<br />
37. Terzflöte 1 3/5‘<br />
38. Mixtur IV 1 1/3‘<br />
39. Trompette harm. 8‘<br />
40. Hautbois 8‘<br />
41. Vox humana 8‘<br />
42. Clairon 4‘<br />
Tremulant</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>PEDAL C-f’ </strong><br />
43. Bourdon 32‘<br />
44. Contrabass 16‘<br />
45. Praestant 16‘<br />
46. Subbass 16‘<br />
47. Violonbass 16‘<br />
48. Octavbass 8‘<br />
49. Bassflöte 8‘<br />
50. Violoncello 8‘<br />
51. Bassoctave 4‘<br />
52. Bombarde 16‘<br />
53. Fagott 16‘<br />
54. Trompete 8‘</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>KOPPELN </strong><br />
mechanisch II-I I-P II-P elektrisch III–I III-II SUB III-I<br />
SUB III-II<br />
SUB III-III<br />
III-P</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td>Balanciertritt für Schwellwerk mit Piano-Progression</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td>Glockencymbel</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td>Stimmtonhöhe/Temperierung 440 Hz/15° C – modifiziert gleichstufig</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div> <div class="three-columns-two last">
<h2>Himmlische Melange – OrgelKlangRaum</h2>
<p><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/r-iAmmW5qH8" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p><i>Präludium</i></p>
<p><span class="dropcap">D</span></p>
<p>ie neue Winterhalter-Orgel der Basilika Ulm-Wiblingen möge – wie jedes liturgische Werkzeug – dazu dienen, Gott zu loben und zu preisen, sowie die Seelen der Gläubigen zu erfreuen, zu erbauen und in Richtung Himmel zu lenken.<br />
Die Kirche hat mit keiner geringeren Autorität als der des 2. Vatikanischen Konzils feierlich dazu aufgerufen, die Pfeifenorgel in der katholischen Kirche als traditionelles Musikinstrument „in hohen Ehren“ zu halten; denn, so heißt es in der Liturgiekonstitution wörtlich, „ihr Klang vermag die Ausstrahlung der kirchlichen Liturgie wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Höheren emporzuheben“ (Sacrosanctum Concilium, Nr. 120).<br />
Ihr Glanz und ihre Kraft, aber auch ihre sphärischen Töne ergreifen den ganzen Menschen, wenn er seine Seele dafür öffnet. Die schier unbegrenzte Tondauer der Orgel symbolisiert die Ewigkeit, ihre klangliche Gewalt die Allmacht des Höchsten, ihre Zartheit seine Liebe. All jene Eigenschaften vermag dieses neue Winterhalter-Instrument in sich zu vereinen. Nicht nur ein tosendes Tutti aller Stimmen und das zarteste Säuseln, sondern auch die Zwischenstufen-Registermischungen in allen möglichen dynamischen und farblichen Schattierungen bilden Klänge für alle Lebenslagen aus: Freude, Glück, Zufriedenheit, Wut, Trauer, Schmerz oder Melancholie.</p>
<p><i>Orgel</i></p>
<p>Das Instrument bildet allein schon optisch – um in der Sprache der Musik zu bleiben – einen echten Kontrapunkt zur wunderschönen klassizistischen Ausgestaltung des Kirchenraumes und des gegenüberliegenden Chorraums und Altares.<br />
Da die seit jeher projektierte Hauptorgel zuvor niemals gebaut worden war, gab es auch keinen historischen, der Raumgestaltung angepassten Orgelprospekt, wie dies in den meisten anderen spätbarocken Klosterkirchen der Fall ist. Eine ähnliche Ausgangssituation fand sich in früheren Zeiten auch in den Klosterkirchen von Ottobeuren und Zwiefalten. In letzterer hatte man die Orgel nach der Säkularisierung in die Stiftskirche nach Stuttgart verbracht – als Geschenk des Württembergischen Königs.<br />
Anders die Lösung in Ulm-Wiblingen: Der neue, in den Raum hineinkomponierte Orgelprospekt nimmt Elemente der klassizistischen Innenausstattung auf, ohne sie zu kopieren.<br />
Die vertikalen Linien der Emporensäulen werden im Orgelprospekt weitergeführt, der Blick des Betrachters nach oben gerichtet – letztlich über die Orgel hinweg zum ausgemalten Deckengewölbe bzw. in Richtung Himmel. Somit stellt die neue Orgel einerseits ein individuelles und zeitloses Schmuckstück dar, andererseits weist sie über sich hinaus.</p>
<p><i>Klang</i></p>
<p>Die Disposition präsentiert sich von der Anlage her universell, zeigt aber dennoch einen deutlich regionalen Einschlag: Eine breite Palette an Grundstimmen differenzierter Auswahl in allen Abstufungen bis hin zu feinsten Pastellfarben knüpft deutlich an die süddeutsche Orgelbautradition an, die in Oberschwaben Ende des 18. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebte. Bedeutende Orgelbauer wie Johann Nepomuk Holzhey, Joseph Gabler oder Karl Joseph Riepp gestalteten spätbarocke Meisterwerke, die mit ihrer Ausrichtung auf maximale Farbigkeit und Differenziertheit aus dem Geist der Empfindsamkeit in Richtung der sich eigentlich erst später entwickelnden Romantik des 19. Jahrhunderts weisen. In gewisser Weise spiegeln diese teilweise heute noch erhaltenen, wertvollen Instrumente auch den Kosmos des prachtvoll ausgestalteten Kirchenraumes wider – das Ganze als eine sinnliche und ganzheitliche Symbiose: Orgel, Raum und Klang.<br />
Die Winterhalter-Orgel der Basilika Wiblingen greift genau diese Gestaltungsprinzipien auf: ein großes und abwechslungsreiches Grundstimmenensemble in jedem der drei Manualwerke, im Pedal auf einem 32´-Register basierend, darunter – neben einem selbstverständlich gut ausgebauten Prinzipalchor – viele schöne Einzelfarben und typische „Galanterieregister“ (überblasende Flöten, zwei Schwebungen, Streicher in allen Fußtonlagen). Als sehr charakteristisch süddeutsch kann man die terzhaltige „Mixtur major“ des Hauptwerks bezeichnen oder auch die weit mensurierten gemischten Aliquotstimmen (Obertonregister) wie z. B. das „Hörnle 2fach“ des Positivs.<br />
Die Zungenregister sind ebenfalls mannigfaltig vertreten: Die starken Zungenchöre von Pedal, Hauptwerk und Schwellwerk färben den Gesamtklang des Plenums ungemein ein und geben dem Instrument Monumentalität. Die lyrischen Zungenstimmen „Hautbois“, „Clarinet Douce“ (bei J. N. Holzhey zu finden) und „Vox humana“ bieten reizvolle solistische Verwendungsmöglichkeiten.<br />
Als Besonderheit gilt die horizontal ausgerichtete Flöte. Diese sogenannte „Kavalflöte“ ist nach einem an der unteren Donau beheimateten, historischen Flöteninstrument der Hirten benannt und bietet mit ihrem direkt in den Raum sprechenden Ton hervorragende solistische Registriermöglichkeiten.<br />
Das an den oberschwäbischen Orgelbau anknüpfende Klangkonzept des Wiblinger Instruments wurde überdies durch Elemente des 19. und 20. Jahrhunderts erweitert (Schwellwerk, Oktavkoppeln, Setzeranlage) und so die Brücke über die symphonische Klangwelt hin zum modernen Orgelbau der Gegenwart, der sich neben den traditionellen Techniken auch computergesteuerte Elektronik zur Speicherung der Registrierungen und für schnelle Klangfarbenwechsel zu Nutze macht.<br />
Die leicht ungleichschwebende Temperierung des Instruments sorgt für eine besonders schöne Tonartencharakteristik, ohne entlegenere Tonarten auszuschließen.Es bleibt zu konstatieren, dass das neue Instrument natürlich nicht nur für die Musik (ober-)schwäbischer Meister (Justin Heinrich Knecht, Sixtus Bachmann, Isfrid Kayser, Joseph Lederer, Franz Xaver Schnitzer, Ulrich Steigleder u.a.) bestens geeignet ist, obgleich sie natürlich in diesem Raum besonders passend und schön klingt! Die Orgel ist in ihrer erhabenen klanglichen Größe hervorragend für die Werke Johann Sebastian Bachs und anderer barocker Meister prädestiniert. Die unterschiedlich ausregistrierbaren Prinzipalchöre samt Schwebung („Unda Maris“ = „Meereswelle“) weisen in Richtung der italienischen Orgelmusik der Renaissance und Barockzeit (z.B. Girolamo Frescobaldi), die abwechslungsreichen Streicher und Flöten in Richtung Früh- und Hochromantik (z. B. Felix Mendelssohn oder Joseph Rheinberger), das groß angelegte Schwellwerk und die reichen dynamischen Möglichkeiten hin zur symphonischen Orgelmusik eines César Franck, Charles Marie Widor oder auch Max Reger. Selbst die Musik des 20. bzw. 21. Jahrhunderts ist durch das reiche Vorhandensein von Obertonregistern und die Möglichkeit spezieller Winddrosseleffekte, z. B. halb gezogener Manubrien bei mechanischem Registrieren oder dem Ausschalten des Motors bei weiterhin funktionierender mechanischer Spieltraktur, realisierbar.</p>
<p class="intro"><ins>Es ist ein Instrument entstanden, das in seiner vielseitigen Musikalität mit hörbar süddeutschem Akzent, weltoffen und gastfreundlich Spieler wie Zuhörer zu begeistern vermag.</ins></p>
<p><i>Raum</i></p>
<p>Jeder Raum ist mehrdimensional – nicht nur rein geometrisch betrachtet, sondern auch hinsichtlich der Architektur, der Ausgestaltung, der Akustik, des Lichteinfalls oder des Geruchs.<br />
Ein Kirchenraum soll in dieser Hinsicht mehrere Ebenen menschlicher Sinneswahrnehmung ansprechen und den Gläubigen als Ort der Gegenwart Gottes ein Stück vom Himmel sein. Die Orgel ist Teil dieses Raumes und des dahinterstehenden theologischen Konzepts. Der Begriff Orgel, vom lateinischen Begriff „organum“ = „Werkzeug“, passt in diesem Kontext auf vielfältige Weise: Das – wie eingangs bereits erwähnte – „liturgische Werkzeug Orgel“ ist von der Funktion her tatsächlich wie das Organ eines Organismus, es hält den Körper bzw. in diesem Fall den Raum am Leben, füllt ihn mit Musik, bringt ihn und alles, was sich darin befindet und Resonanzen bilden kann, zum Schwingen und Klingen. Das Instrument durchdringt mit seinem Klang Raum und Mensch. Die Basilika in Wiblingen spricht mit ihrer prächtigen Innengestaltung durch das Auge die Seele der Menschen an.<br />
Die neue Orgel schafft dies ebenfalls durch das Auge, aber eben auch durch das Ohr und durch ihren, den menschlichen Körper umschwingenden und raumergreifenden Klang.</p>
<p><i>Postludium</i></p>
<p>238 Jahre hat es gedauert, bis das Projekt Hauptorgel in der Wiblinger Basilika verwirklicht worden ist. Möge die Orgel für viele Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte zum Lob Gottes und zur Erbauung, Begeisterung und Anrührung der Gläubigen erklingen und auch dem Nichtgläubigen durch die Macht der Musik ein Tor zum Himmel öffnen.</p>
<p><i>Ruben J. Sturm, Rottenburg</i></p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<h2>&#8222;Das Werk zu Ende denken&#8220;</h2>
<p>Orgelbaumeister Claudius Winterhalter im Gespräch mit Markus Zimmermann zum Orgelneubau in der Basilika Wiblingen<br />
<i>(21. April 2021)</i><br />
<a class="standard-btn black-btn" href="https://www.orgelbau-winterhalter.de/das-werk-zu-ende-denken/"><span>&gt; zum Artikel</span></a></p>
</div></p>
<div class="divider"></div>
</div>
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		<title>Nominiert als Handwerksunternehmen des Jahres 2021</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/nominiert-als-handwerksunternehmen-des-jahres/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Mar 2021 07:41:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Logbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit dem Preis „Handwerksunternehmen des Jahres“ ehrt die Handwerkskammer Freiburg jedes Jahr Betriebe, die sich mit innovativen Ideen und außergewöhnlichem Engagement erfolgreich am Markt platziert haben und dabei Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft übernehmen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="6593" data-permalink="https://www.orgelbau-winterhalter.de/nominiert-als-handwerksunternehmen-des-jahres/handwerkskammer2021-2/" data-orig-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1.jpg" data-orig-size="1200,400" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Handwerkskammer2021" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1-300x100.jpg" data-large-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1-1024x341.jpg" tabindex="0" role="button" class="alignnone wp-image-6593 size-full" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1.jpg" alt="" width="1200" height="400" srcset="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1.jpg 1200w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1-300x100.jpg 300w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1-1024x341.jpg 1024w, https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2021/03/Handwerkskammer2021-1-768x256.jpg 768w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></p>
<p style="text-align: left;">Mit dem Preis „Handwerksunternehmen des Jahres“ ehrt die Handwerkskammer Freiburg jedes Jahr Betriebe, die sich mit innovativen Ideen und außergewöhnlichem Engagement erfolgreich am Markt platziert haben und dabei Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft übernehmen.</p>
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		<title>Der Organist der Queen</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/der-organist-der-queen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Nov 2019 15:21:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Logbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Persönliche Widmung von Martin Baker zur Orgel von Bad Godesberg &#8222;Dear Claudius, I loved playing this wonderful instrument &#8211; many congratulations on producing such a musical and versatile organ. Very best wishes, Martin Baker.&#8220;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="2678" data-permalink="https://www.orgelbau-winterhalter.de/baden-online-olschowski-2-2/claudius-winterhalter-2/" data-orig-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2019/02/Claudius-Winterhalter.png" data-orig-size="1286,858" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Claudius-Winterhalter" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2019/02/Claudius-Winterhalter-300x200.png" data-large-file="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2019/02/Claudius-Winterhalter-1024x683.png" tabindex="0" role="button" class="alignnone size-large wp-image-2678" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2019/11/Martin-Baker001-1.gif" alt="" width="840" height="560" /></p>
<h3 style="text-align: left;">Persönliche Widmung von Martin Baker zur Orgel von Bad Godesberg</h3>
<p style="text-align: left;"><strong>&#8222;Dear Claudius, I loved playing this wonderful instrument &#8211; many congratulations on producing such a musical and versatile organ. Very best wishes, Martin Baker.&#8220;</strong></p>
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		<title>Die Orgel der Stadtkirche Glückstadt</title>
		<link>https://www.orgelbau-winterhalter.de/die-orgel-bad-godesberg-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Claudius Winterhalter Orgelbau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Nov 2019 09:38:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Glückstadt - Stadtkirche]]></category>
		<category><![CDATA[Instrumente]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-3575"></span></p>
<div class="wide-content"><div class="soliloquy-feed-output"><img decoding="async" class="soliloquy-feed-image" src="https://www.orgelbau-winterhalter.de/wp-content/uploads/2020/02/Glueckstadt_01_1200x800.jpg" title="Glueckstadt_01_1200x800" alt="Glueckstadt_01_1200x800" /></div></div>
<div class="wide-content">
<div class="three-columns-one">
<p class="“intro“">Disposition </p>
<table>
<tbody>
<tr class="“odd“">
<td>
<strong>I. Hauptwerk </strong><br />
Bourdon	16&#8242;<br />
Principal	8&#8242;<br />
Flaut travers	8&#8242;<br />
Viola di Gamba	8&#8242;<br />
Gedeckt	8&#8242;<br />
Quintadena	8&#8242;<br />
Octave	4&#8242;<br />
Rohrflöte	4&#8242;<br />
Superoctave 	2&#8242;<br />
Mixtur IV-V minor	1 1/3&#8242;<br />
Mixtur V-VII major	1 1/3&#8242;<br />
Trompete	8&#8242;
</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong>II. Schwellwerk</strong><br />
Principal	8&#8242;<br />
Rohrflöte	8&#8242;<br />
Salicional	8&#8242;<br />
Bifaria	8&#8242;<br />
Fugara	4&#8242;<br />
Spitzflöte	4&#8242;<br />
Nasard	2 2/3&#8242;<br />
Flageolet	2&#8242;<br />
Terzflöte 	1 3/5&#8242;<br />
Quinte 	1 1/3&#8242;<br />
Oboe	8&#8242;<br />
Tremulant<br />
* Transmission HW/PED
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>Pedal</strong><br />
Principalbass	16&#8242;<br />
Subbass*	16&#8242;<br />
Octavbass	8&#8242;<br />
Bassflöte*	8&#8242;<br />
Bassoctave*	4&#8242;<br />
Posaune	16&#8242;<br />
Trompete*	8&#8242;</p>
<tr class="“odd“">
<td><strong><br />
        Koppeln</strong><br />
II-I   I/P   II/P   Sub II/I   Super II/P
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong>Trakturen</strong><br />
Tontraktur mechanisch<br />
Registertraktur elektrisch<br />
Setzeranlage/USB-Schnittstelle
</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong><br />
        Winddruck</strong><br />
MW 72 mm Ws   PW 90 mm Ws<br />
Progressives System mit drei Faltenbälgen und differenzierten Winddrücken
</td>
</tr>
<tr class="“even“">
<td><strong><br />
                Tonumfang</strong><br />
Manual C – g’’’   Pedal C – f’
</td>
</tr>
<tr class="“odd“">
<td><strong><br />
                Stimmung </strong><br />
Billeter 440 Hz bei 16° C
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div> <div class="three-columns-two last">
<h2>Frei von Dogmen und<br />
Beliebigkeit</h2>
<p><span class="dropcap">E</span>s war 1994, als der Unterzeichner dieses Berichtes mit der Orgelbauwerkstatt Winterhalter anlässlich einer CD-Aufnahme in der Evang. Stadtkirche von Böblingen Bekanntschaft machte. Schon damals wurde deutlich, was für überragende Instrumente aus dem kleinen Schwarzwaldort Oberharmersbach kommen. So ist es eine großartige Nachricht, dass inzwischen mehrere Winterhalter-Orgeln die hamburgische und norddeutsche Orgellandschaft bereichern. Gebeten um einen Bericht über das Instrument in der Evang. Luth. Stadtkirche zu Glückstadt, machte man sich von Hamburg aus hinaus in den Nordwesten der Metropol-Region. Glückstadt heißt für den Halbgebildeten „Matjes-Tage“ und „Fahrrad fahren“. Und mit der wichtigen Elbfähre Wischhafen zwar nicht am Tor zur Welt, sondern am Tor zu Niedersachsen zu stehen.<br />
Dies sind einige Schwerpunkte der offiziellen Webseite der Stadt. Und nun steht hier eine der besten neuen Orgeln der Region und es bleibt zu hoffen, dass diese Orgel zunehmend dort eine angemessene Würdigung erfährt.</p>
<p><i>Kirche</i><br />
Aber der Reihe nach: Wenn man sich durch die ländliche – Anfang Dezember verregnete – Idylle bis zum Marktplatz der Stadt durchgeschlagen hat, ist man verzückt von der Anmut dieses Platzes und lernt manches über die Stadtgründung 1617 durch König Christian IV. von Dänemark und über den Bau der Stadtkirche im Jahre 1618.<br />
Keineswegs steht sie wie ein Dom alles beherrschend in der Mitte des Markplatzes, sondern gibt sich auf den ersten Blick eher bescheiden, diagonal am Rand des Platzes errichtet. Der beherrschende Turmsockel wird von einem markanten Haubenhelm gekrönt. Die wahre Größe des Kirchenschiffes erschließt sich erst bei näherem Hinsehen, die Kreuzform des Grundrisses wurde nicht vollendet, sondern auf der Südseite als halbes Querschiff erbaut. Diese nun entstandene asymmetrische Form macht den Bau, der im Inneren durch seine einheitliche und hochwertige Ausstattung geschlossen und stimmig wirkt, besonders originell.</p>
<p class="intro"><ins>Im Zusammenspiel heller Pastelltöne mit dunklen Grautönen, altem Messing und einem Bilderzyklus mit über 100 Farbtafeln befinden wir uns in einem ehrwürdigen und edlen Raum, der auch Geborgenheit vermittelt.<br />
</ins></p>
<p><i>Prospekt</i><br />
Was mag den Besucher beim Betreten der Kirche für ein Orgelprospekt erwarten? Die Rekonstruktion eines Schnitger-Prospektes?  Immerhin sind wir im „Schnitger-Land“. Jedenfalls war Arp Schnitger in Glückstadt, als er als ehemaliger Geselle von Berend Hueß nach dessen Tod die Orgel betreute und erweiterte. Weitere Orgelbauer waren naturgemäß am Werk, als schließlich 1881 die Orgelromantik mit einem Instrument des hochbedeutenden Orgelbauers Schlag &#038; Söhne aus Schweidnitz / Schlesien in Glückstadt Einzug hielt. Bis 1962 wurde diese Orgel irgendwie am Leben gehalten, jedoch verkannt und ersetzt durch ein „modernes“ Werk aus dem Hause Kemper. Wäre nun die Rekonstruktion des Orgelprospektes von 1881 sinnvoll gewesen? Die Entscheidung fiel anders aus, da die neue Orgel aus dem Hause Winterhalter sich weder am Schnitger- Klang noch an jenem von 1881 definiert. Dennoch ermöglicht sie eine angemessene Darstellung der Musik des 17. / 18. und des späten 19. Jahrhunderts. Somit vermittelt der neue Prospekt die Prinzipien der klassisch barocken Formensprache ebenso, wie seine fließenden Formen und gerundeten Gehäusekanten auf die Möglichkeiten der Orgel hinweisen: Fließende und flexible musikalische Übergänge. Hier ist ein Orgelprospekt gelungen, der sich unaufdringlich<br />
in den Raum einfügt, aber dennoch selbstbewusst die Musik in ihrer Vielfalt repräsentiert und bei allen klassischen Bezügen die Zeitgenossenschaft nicht verleugnet.</p>
<p><i>Klang</i><br />
Unten im Kirchenschiff konnte man beim Besuch zuerst Bekanntschaft machen mit einer vorzüglich deutlichen, aber nicht harten Akustik, wie sie sonst in der Region gelegentlich vorkommt. So war schon das erste Hören des Prinzipal 8‘ ein Erlebnis:</p>
<p class="intro"><ins>Ein weicher, aber klar konturierter Gesang mit fokussiertem Kern der Töne, der sofort auf die kantablen Möglichkeiten der Orgel schließen ließ.</ins></p>
<p>Überhaupt zeigt sich in der Verschmelzung aller Register im 8‘ und 4‘ Bereich als eine der besonderen Stärken der Orgel. Da werden klangliche Übergänge ermöglicht, die für ein Instrument dieser Größe außergewöhnlich sind, unterstützt von einigen speziellen Entscheidungen, die aber gerade zur Darstellung deutscher Romantik ihre Berechtigung haben. Zum Beispiel für Brahms-Choralvorspiele oder kleinformatige Stücke von Max Reger. So ist die Quintadena 8‘ im Hauptwerk eine willkommene Bereicherung der 8‘ Lage und kann durchaus das Fehlen einer Quinte 2 2/3 kompensieren, eine Gamba 8‘ anstelle einer Trompette harmonique erhärtet die stilistische Herkunft – schon Bach disponierte dieses Register – und ein französischer Aspekt wird für den eher intimen Raum völlig ausreichend durch die Oboe mit durchgängig parallelen Kehlen übernommen.<br />
So erleben wir eine  klassisch angelegte und an barocken mitteldeutschen Vorbildern wie Silbermann und Trost orientierte Orgel mit einer ungleich schwebenden Stimmung nach Billeter. Eine Orgel, die im Sinne einer eigenen zeitgenössischen Ästhetik klangliche Vielseitigkeit und stilistische Breite anstrebt. So führen ein Schweller, die Subkoppel II, die 4‘ Koppel im Pedal sowie eine moderne Setzeranlage zu enormen Möglichkeiten mit großer dynamischer Bandbreite, vor allem gemessen an der Registeranzahl von gerade einmal 25 Stimmen und einer Handvoll Transmissionen! Mit dem Griff zur Superoktave 2‘ und zur Mixtur erleben wir dann eine aus Mitteldeutschland bekannte Prägnanz, unabdingbar nötig, um bei gut besetzter Kirche ein kraftvolles Plenum zu erlangen, bei Bedarf ergänzt durch die mitteldeutsch-barocke Trompete mit ihrem milden, obertonreichen Klang, die wunderbar in der Romantik auch ohne Mixtur verwendbar ist.<br />
Eine Terzschleife zur Mixtur wie bei Trost in Altenburg ergibt ein reichhaltiges Mixturenplenum auf 16‘ - Basis. Und schon haben wir einen festlichen Barock-Klang, getragen von einer Silbermann nachempfundenen Posaune 16‘ mit belederter Kehle, die quasi mitwächst, also ihre Qualitäten nicht erst<br />
im Tutti entfaltet.</p>
<p><i>Technik und Traktur</i></p>
<p class="intro"><ins>Das Innere der Orgel ist ein Muster an Aufgeräumtheit und Zugänglichkeit, was mit Sicherheit auch die Klangabstrahlung perfektioniert. </ins></p>
<p>Einmal mehr wird deutlich wie eng und wichtig die Zusammenhänge sind zwischen technischer Konzeption und angemessenem Gehäusevolumen. Dazu eine atmende Windversorgung aus einfaltigen Bälgen mit eichenen Kanälen, nicht zu eng und weich gekröpft. Die Bemühungen bei der Intonation um charakteristische Solofarben und um eine facettenreiche Mischfähigkeit bei der klanglichen Addition der Grundstimmen, haben hier erstaunliche Früchte getragen.<br />
Das direkte Spielgefühl ist angenehm und artikulationsfreudig. Die Traktur arbeitet leichtgängig und griffig. Der optische Ein­druck der Spielanlage ist überragend. In allen Teilen wird sowohl die Materialität als auch die Ausführung betreffend, eine feine Ästhetik sichtbar.  </p>
<p><i>Fazit</i><br />
Glückstadt beherbergt nun eine bedeutende Orgel. Claudius Winterhalter zeigt, wie man heutzutage eine Orgel baut, die historische Vorbilder nicht verleugnet. Sein souveräner Umgang mit den Traditionen des Orgelbaus der letzten drei Jahrhunderte ist völlig frei von Dogmen und Beliebigkeit. Mit der Winterhalter-Orgel in Glückstadt kann man den Begriff der „Universalorgel“ endlich einmal positiv besetzen, was gemessen an der eher bescheidenen Registerzahl ohne Anflüge von Größenwahn eine echte Meisterleistung ist. Und dies alles ist verbunden mit feiner Handwerkskunst, einer stimmigen Intonation und einem untrüglichen Gefühl für die Einheit von Raum und Klang. Ganz einfach: Diese Orgel hat Charakter.</p>
<p>Christoph Schoener    </p>
</div></p>
<div class="divider"></div>
</div>
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