Instrumente, Pfullendorf - Maria Schray

Wallfahrtskirche Maria Schray Pfullendorf

  • Pfullendorf_01_1200x800
  • Pfullendorf_02_1200x800

Disposition

HAUPTWERK
Principal 8‘
Salicional* 8‘
Gedeckt* 8‘
Octave 4‘
Rohrflöte* 4‘
Doublette 2‘
Mixtur 1 1/3‘ugara 4′
Sesquialter II
Quint major 2 2/3′ VA
Superoctave 2′
Mixtur IV-VII 1 1/3′
Quint minor 1 1/3’VA
Trompete 8′
NEBENWERK
Gedeckt** 8‘
Salicional 8‘
Rohrflöte 4‘
Quinte 2 2/3‘
Terz 1 3/5‘
Principal 2‘
Orlos 8‘
PEDALWERK
Subbass 16‘
Gedecktbass*** 8‘
*Wechselschleifen
** historisches Register aus Maria Schray um 1750 (Egidius Schnizer?)
***Erweiterung aus Subbass 16‘
TREMULANT
KOPPELN
II-I I-P II-P
TONUMFANG
Manual C-f“‘
Pedal C-f‘
STIMMUNG
UNGLEICHSTUFIG NACH
BILLETER, 440 HZ 16°C
SACHBERATUNG
KONRAD PHILIPP SCHUBA

Zur neuen Orgel

Die neue Chororgel der Wallfahrtskirche Maria Schray in Pfullendorf (1476/1656-61) ist der erste Teil zur geplanten Umgestaltung und künstlerischen Weiterentwicklung des Chorraumes. Zusammen mit dem renommierten Schwarzwälder Bildhauer Armin Göhringer soll der barocke Hochaltar durch ein zeitgemäß gestaltetes Ensemble aus Orgel, Zelebrationsaltar, Ambo und Seelilien ergänzt und bereichert werden.

Die äußere Gestaltung der Orgel übersetzt klassische Merkmale barocker Handwerkstradition in eine nach heutigem Kunstverständnis reduzierte Aussage von Form und Funktion. Die weiße, bewusst offen angelegte Farbfassung verleiht noble Zurückhaltung und Leichtigkeit. Das Gold steht in Beziehung zum barocken Umfeld.

Über einem geschweiften Unterbau mit eingebauter Spielkonsole erheben sich fächerförmig öffnende, nach vorn geneigte Zinnpfeifen des Prospektprincipales.

Gestalterisches Zentrum bildet die aufragend gebogene, künstlerisch besägte Mittelstele als visuelle Darstellung der zum Himmel emporsteigenden Klänge.

In bewegter, nach vorne geneigter und gleichzeitig gewölbter Linienführung wird das Orgelgehäuse zur Muschel, dem Symbol der Jakobspilger.

Auf Grund ihres exponierten Aufstellungsortes müssen Chororgeln bestimmte Sonderaufgaben bewältigen. Sie können nur wenig Platz beanspruchen, sollen gleichermaßen unauffällig wie anwesend wirken und einen großen Klangrahmen besitzen. Und sie müssen im Chorraum zurückhaltend klingen, das Kirchenschiff aber ausreichend stark beschallen.
Die Frage des geringen Grundflächenangebotes bei gleichzeitig eingeschränkter Höhenentwicklung ist bei zweimanualigen Werken mit einer durchschobenen Manuallade am besten zu beantworten. Das Instrument bleibt in seiner Tiefenentwicklung relativ flach, im technischen Innenaufbau klar strukturierbar und alles in allem auch wartungsfreundlich. Die Lösung eines diskantseitig externen Pedalwerkes in der vom Kirchenraum her nicht einsehbaren Chorbogenecke folgt dieser Absicht. Der Orgelbaukörper ragt dadurch nicht über die Sichtlinie des Chorbogens heraus.

Die klangliche Flexibilität kleinerer Instrumente liegt in einer vielseitigen Disposition aus Struktur-, Solo- und Begleitstimmen und der Nutzung des oktavversetzten Spiels. Voraussetzung sind mehrschichtig angelegte Mensuren mit entsprechender Intonation.

Durch manualübergreifende Registerwechsel (Wechselschleifen) lassen sich Dispositionslücken schließen, Spaltklang-Registrierungen umgehen und Grundstimmen verstärken.

Der Idee nach ist dieses neue Werk von Maria Schray ein Schwesterinstrument zu unserer 2000 entstandenen Chororgel von St. Alexius in Herbolzheim/Brsg.

Mein herzlicher Dank gilt Herrn Pfarrer Claudius Stoffel für sein großes Engagement und allen Helfern und Spendern, ohne deren Unterstützung dieses Projekt nicht zu realisieren gewesen wäre. Möge die neue Orgel zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen ein hohes Alter erreichen.

Claudius Winterhalter